Dienstag, 27. März 2012

Spanien 2012: Pastora Soler - "Quédate Conmigo"


Spanien 2012
Artist: Pastora Soler
Titel: "Quédate Conmigo"

Pastora Soler im Web:

"Quédate Conmigo" ist der zweite Streich von Thomas G:Son in diesem Jahr. Aus seinem Baukasten stammt bereits der grosse schwedische Favorit, "Euphoria", gesungen von Loreen (Windmaschinchens Gedanken dazu findest du hier).
Da wird der gute Schwede wohl an seiner Kondition arbeiten müssen, will er am Finale in Baku keinen Herzinfarkt riskieren, sollte er während der Punktevergabe ständig zwischen der schwedischen und der spanischen Delegation hin und her springen wollen, um 12-punktig in die Kameras zu lächeln!
Dies ist nach 2007 bereits die zweite solche Konstellation, dass er für Spanien plus ein anderes Land gleichzeitig an den Start geht! Sein schrecklich gesungenes "I love you mi vida" von D'Nash (Spanien) war dank seines BIG4-Status' nur unwesentlich erfolgreicher als das bereits im Halbfinale ausgeschiedenes "Ven a bailar conmingo" von Norwegens Guri Schanke.

Zu so einer schmachvollen Darbietung seines Erfolges wird es dieses Jahr mit Sicherheit nicht kommen. Denn beide Sängerinnen, Loreen wie auch Pastora Soler, garantieren mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit für guten Gesang. Und beide werden Punkte sammeln wie blöde! Schweden mehr, Spanien etwas weniger!

"Quédate Conmigo" ist sozusagen die textliche Jammer-Version zu Adele's in jeder Beziehung grandiosem "Someone like you"! Aber wer hört schon auf den Text - geschweige auf einen spanischen! Ok, ich im Normalfall ja auch nicht. Musste aber mal nachschauen, worüber die überzeugende Pastora Soler so inbrünstig lamentiert!
"Quédate Conmigo" ist eine rauschende Ballade alter Zunft und wird so vielen alten ESC-Herzen schmeicheln, dass sich Friedhöfe versetzen werden.
Gammelmusik neu verpackt und dies auf recht überzeugende Weise! Klar, wir haben schon mal Ähnliches gehört, etwa so im Gegenwert von 2387 ESC-Punkten. Das schliesst natürlich all jene Versuche aus, die mit null Punkten endeten und das waren auch nicht gerade wenige in den letzten 50+ Jahren!
Aber "Quédate Conmigo" orientiert sich nach oben, ganz klar und auch zu Recht. Der Song gefällt in seiner Kompaktheit und Konsequenz einer klassischen Ballade, dem der mitgelieferte Pathos für einmal auch steht. Das ist musikalischer Genuss der Sorte "all inclusive". Verantwortlich dafür sind ein überragender Gesang der gestandenen Sängerin aus Spanien, ein auf sich aufmerksam machender Klavier-Hook, Streicher sowie ein langgezogener Key-Change, auf den mein Italiener abfährt, wie nur etwas! Und wer sich daran orientiert, wird nicht enttäuscht werden. Da weiss man wirklich, was man hat!
Abgesehen von Daniel Diges' "Algo pequeñito" (Spanien 2010) ist "Quédate Conmigo" das Beste, was Spanien in vielen, vielen, vielen Jahren zu bieten hat!

Thomas G:Son wird 2012 ein glanzvolles Jahr erleben. Wäre es dann nicht angebracht, ihm nahezulegen, auf dem Höhepunkt abzutreten? Ich weiss, schlechter Humor! Gebs ja auch zu! Und dass mir "Quédate Conmigo" auch gut gefällt, gleich dazu! Was muss ich mir dieses Jahr noch so alles bieten lassen! La vida como una máquina de viento no es fácil!

Pastora Soler - "Quédate Conmigo"






Montag, 26. März 2012

San Marino 2012: "The social network song (oh oh uh oh oh)"


San Marino 2012
Titel: "The social network song (oh oh uh oh oh)"

Don't even THINK about it! Nicht im Traum hab ich daran gedacht, darüber etwas zu berichten! Selbst Windmaschinchen haben ihren Stolz!
Ich will doch keine Gesangs-Karriere vernichten. Und mein Anwalt ist auch gerade in den Ferien! Und auf diese Klicks kann Windmaschinchen gerne verzichten!

NEXT!

San Marino - "The social network song (oh oh uh oh oh)"


Freitag, 23. März 2012

Rumänien 2012: Mandinga - "Zaleilah"


Rumänien 2012
Artist: Mandinga
Titel: "Zaleilah"

Mandinga im Web:

Langsam mache ich mir selber Angst, denn mir gefällt "Zaleilah" plötzlich und aus heiterem Himmel und das entspricht nun wirklich nicht meinem öfters mal verrückt spielenden Musikgeschmack!

Aber das "Like"-Gefühl kam auch erst vor Kurzem, als ich in einem Forum gelesen habe, dass "Zaleilah" das diesjährige "Haba, haba" sei (aber gut gesungen!). Dann machte es nur noch klick und ich mochte plötzlich Rumänien 2012.
So einfach geht das! Dabei bin ich ja alles, nur kein Tanz-"Füdli".

Bin ich froh, bin ich dieses Jahr derart in Verzug mit dem Schreiben. Mein Bericht über Mandinga's "Zaleilah" wäre definitiv anders ausgefallen, hätte ich diesen Blog-Eintrag vor einer Woche geschrieben. So gehts manchmal! Oder hat es schlussendlich etwas damit zu tun, dass ich San Marino zweimal hintereinander gehört habe...? Hmmmmh. Nein, nicht wirklich! "Zaleilah" gefällt auch so ziemlich gut, vorausgesetzt man ist in Party-Stimmung.

Geschrieben wurde "Zaleilah" von Costi Ioniţă, einem bekannten rumänischen Produzenten. 2009 war er zuständig für nicht weniger als drei Final-Songs im für mich besten rumänischen Vorentscheid aller Zeiten (und mit der wohl schlimmsten und schrecklichsten inner- und ausser-rümänischen Vorentscheid-Siegerin aller Zeiten!!!!!!!!!!). Ein Song wurde von IMBA vorgetragen , einer trug er selber vor und den dritten und für mich besten Song der dreien, "Dear Mama" der Blaxy Girls. Und ratet jetzt mal, wer bis 2005 die Lead-Sängerin der Gruppe Mandinga war, bevor Elena "Helen" Ionescu zur Truppe stiess?? Genau! Elena Gheorghe (die Ausrufezeichen erspare ich mir jetzt dieses Mal).

Falls ich es nicht schon mal erwähnt haben sollte: "Zaleilah" gefällt mir immer besser!!!!

Gemäss ihrer Facebook-Info-Seite besteht die Band aus sieben Personen (vier aus Rumänien, drei aus Kuba). Einer muss also noch über die Klinge springen. Oder vielleicht teilen sich zwei davon auch auf. Der Eine singt/spielt im Halbfinal, der Andere im Finale, denn dort werden Mandinga auch einziehen!

Daumen hoch für diesen Party-Song mit Hit-Potenzial!

Mandinga - "Zaleilah"





Donnerstag, 22. März 2012

Griechenland 2012: Eleftheria Eleftheriou - "Aphrodisiac"


Griechenland 2012
Artist: Eleftheria Eleftheriou
Titel: "Aphrodisiac"

Eleftheria Eleftheriou im Web:

Aufgrund fehlender Mittel sah sich das griechische Staatsfernsehen ERT ausserstande, einen Vorentscheid durchzuführen. Notgedrungen wurde dieser sodann an Universal Greece outgesourct, der die Kosten dafür übernahm, mit der Bedingung, dass die Künstlerin, die das Land vertreten soll, aus ihren Reihen kommt. Gesagt, getan! Eleftheria Eleftheriou gewann!

Was für ein Heuler! Nein, nicht der Song! Der Titel! "Aphrodisiac"! Gemäss Wikipedia ist das
"ein Mittel zur Belebung oder Steigerung der Libido."
In diesem Zusammenhang und in Bezug auf die griechische ESC-Geschichte, kommt es mir schon fast vor, als würde man sich seit, sagen wir mal seit 1974 denselben XXX-Streifen reinziehen und immer noch voll drauf abfahren!! Schon fast beneidenswert! Aber irgendwann, irgendwann geht diese Sache in die Hosen!

Mit anderen Worten: Hello again! Same, same but different! The same procedure as every year, Greece! They did it again! Play it again, Greece! Do that to me one more time! Here we go again! Und zum Schluss heissts dann etwa noch "You win again"!

Wenns jemals Götter gab, ich akzeptiere auch griechische, lasst sowas nicht geschehen.

Eleftheria Eleftheriou - "Aphrodisiac"


Slowakei 2012: Max Jason Mai - "Don't close your eyes"


Slowakei 2012
Artist: Max Jason Mai
Titel: "Don't close your eyes"

Max Jason Mai im Web:

Die unspektakuläre Meldung des slowakischen Fernsehens, Max Jason Mai nach Baku zu schicken, wurde in der ESC-Öffentlichkeit gerademal so zur Kenntnis genommen. Die Veröffentlichung seines Titels "Don't close your eyes" verursachte dann schon grösseres Aufsehen, denn der eurovisionären Federboa-Fraktion hats glatt schon mal ein paar Fusel aus der Tracht geblasen beim unbeabsichtigt lauten Hörgenuss aus der Slowakei! Muss diese sich verbarscht gefühlt haben mit der Titel gebenden Aufforderung, die Augen ja nicht zu schliessen, dies dann aber aus Trotz dennoch tat, um Sekunden später die Ohren voll gehämmert zu bekommen!

Max Jason Mai ist, wie viele andere Teilnehmer auch, ein Kind einer Casting-Show, die in seiner Heimat in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Bruderstaat Tschechien 2009 durchgeführt wurde; damals noch unter seinem bürgerlichen Namen Miro Smajda.

Neben dem "bakuten" Balladen-Zuckerberg, der heuer auf die ESC-Bühne geschleppt werden wird, zähle ich Max Jason Mai's "Don't close your eyes" schon fast zu den wenigen wohltuenden Bereicherungen des Jahrgangs 2012.
Durchgreifender Kracher-Sound mit fein säuberlichem und melodiösem Gesang dröhnen wie Gewehrsalven auf den Hörer ein. Was für eine Herausforderung für weichgeeierte Carola-Fanboys mit Hang zum Melodiösen, denen die Melodie des Refrains eigentlich gefallen würde, vor Schock aber vor der Bühne stehen mit einem Ausdruck von Edvard Munchs "Der Schrei" im Gesicht und flehend den Sitznachbarn auffordern, ein Zeichen zu geben, sobald wieder der Refrain erklingt.

"Dont' close your eyes" macht Spass. Hammermässig - im wahrsten Sinne des Wortes, auch wenn ich es mir gar noch etwas "dreckiger" vorstellen könnte! Einfacher, harter und gradliniger Rock, den man so schon öfters gehört hat und nicht wirklich etwas Neues bringt. Aber immerhin. What you see, is what you get!
Obs mir bis Mai noch reicht, die Haare "Headbanger"-mässig wachsen zu lassen?

Mit ihrer erst siebten Teilnahme am ESC liefert die Slowakei ihren bisher besten Beitrag ab und im Vergleich zum letztjährigen Fiasko gelingt dem Land gar ein musikalischer Quantensprung und somit eine freudige, wenn auch laute Überraschung.

Ob damit in Baku die Fetzen fliegen, sprich Final-Einzug, ist mehr wie fraglich bei der Performance ähnlich gelagerter Rock-Songs der Vergangenheit. Aber wenn schon nicht die Fetzen, dann zumindest doch ein paar Federn aus den ersten Zuschauerreihen!

Max Jason Mai - "Don't close your eyes"





Mittwoch, 21. März 2012

Slowenien 2012: Eva Boto - "Verjamem"


Slowenien 2012
Artist: Eva Boto
Titel: "Verjamem"

Es war einmal ein Land, das hiess Slowenien. Dieses Land begann vor langer, langer Zeit damit, seinen Vertreter resp. Vertreterin für den Eurovision Song Contest 2012 zu suchen. Ewigkeiten später, noch kurz bevor man nicht mehr so genau wusste, wofür und wonach man überhaupt mit der Suche begonnen hatte, wurde das Land fündig und erklärte Eva Boto zur für diese Aufgabe vorgesehen Ambassadeurin!

Eine weise Entscheidung! Denn sonst hätte sich das kleine Land für etwas entschieden, das die viel zitierte Pest & Cholera in einem einzigen Beitrag vereint vorgefunden hätte! So bliebe also neben [Pest & Cholera] noch "Verjamem" übrig.

Liebes Slowenien! Hier ein Vorschlag: warum dreht ihr nächstes Jahr nicht einfach den Spiess um und sucht während sechs Monaten nicht nach einem/r Sänger/In sondern nach einem guten Song? Wäre doch ein guter Start, nicht wahr?

Da ich schon "No one" (Slowenien 2011) nicht ausstehen konnte, überrascht es 0-punktig wenig, dass ich auch mit "Verjamem" (was wirklich nichts mit verjammern zu tun hat, so sehr dies auch vermuten lässt, sondern "Ich glaube") auf der Höhe des Gefrierpunktes stehe.

Die siegreiche Eva Boto hat diese nicht enden wollende Vorentscheidung verdient gewonnen. Stimmlich ist sie dabei und sympathisch scheint mir die erst 16 Jahre alte und hoch talentierte Eva auch zu sein. Ihr allein gehört ein grosses Lob. Der Rest gehört nach "Villete" gesteckt!

Der Song! Der ist aufgeblasener als Charlotte P's. Lippen! Aufgeplustert wie ein Truthahn nach dem Genuss einer Dose "Roter-Stier"! Dass es sich in diesem Falle gar um einen müden "Molitva"-Abklatsch handelt, will ich hier gar nicht erst erwähnen! Ups!

Diese junge Frau ist so viel talentierter, als solchen altbackenen Balkan-Imitations-Bombast vortragen zu müssen. Seit Jahren ein unverbesserlicher Jünger balkanischer Balladen, aber dieser hier liegt mir nun doch, und im Falle von Slowenien erneut, viel zu reissbretterisch, unpersönlich und schematisch in den danach kaum noch sauber zu kriegenden Ohren.

Europa ist schon letztes Jahr auf diesen Zug aufgesprungen und ich befürchte, Europa wirds wohl auch in diesem Jahr wieder tun. Es ist zum Tüll-Hüte Tragen mit Slowenien!

Eva Borto - "Verjamem"



Aserbaidschan 2012: Sabina Babayeva - "When the music dies"


Aserbaidschan 2012
Artist: Sabina Babayeva
Titel: "When the music dies"

Da scheint das aserbaidschanische TV einen Dauerauftrag gelöst zu haben mit den schwedischen Autoren/Textern Stefan Örn und Sandra Bjurman (plus teilweise Anders Bagge und jetzt auch Johan Kronlund). Denn diese zeichnen sich nach "Drip, drop" (2010) und "Running scared" (2011) nun auch für "When the music dies" verantwortlich für das unterdessen siegreiche Aserbaidschan.

Herausgekommen ist nichts Neues, aber das hat auch niemand erwartet. "When the music dies" ist für mich eine zwar gefällige, wenn auch erneut nahe an der Belanglosigkeit liegende Pop-Standarte US-amerikanischer Machart, untermalen mit einem Hauch von Aserbaidschan. Ein ameridschanischer Dolma-Burger sozusagen!

Wie immer bei diesem Autoren-Team wäre der Song eigentlich ziemlich radiotauglich, da er für unkonditionierten Musik-Genuss vorgesehen ist und diesen auch gut bedient.
Aus kommerzieller Sicht scheitert "When the music dies" wohl auch in diesem Fall an den limitierten Vermarktungsmöglichkeiten. Diese Aussage hat natürlich überhaupt nichts mit der Person/Leistung von Sabina Babayeva zu tun, sondern vielmehr mit Machbarkeits-Studien, Ziel-Gruppen-Analysen und Image-Vorstellungen mächtiger Musik-Konzerne, die Aserbaidschan und die meisten anderen Länder dieser Welt nicht wirklich als das Nonplusultra  der Geld speienden Märkte anschauen! Somit wird man sich wohl an ein kleines, kurzlebiges Strohfeuer gefasst machen, bevor auch hier Ende Feuer ist.

Für die Noten-Schmiede wird sich "When the music dies" aber trotzdem auszahlen, ob der Song nun ein Hit wird oder nicht.

"When the music dies" ist ein gefälliger Titel. Eigentlich mag ich den Song ja auch ein klein wenig. Eine gewisse musikalische Dramatik und Intensität lassen sich nicht abstreiten und das Video, übrigens, finde ich extrem gelungen! Aber die einmal aufgegleiste schöne Stimmung wird dann für meinen Geschmack zu oft rezykliert und mit Zuckerguss bombardiert. Nichtsdestotrotz: Gut gelungener Einheitsbrei!

Es gibt Tage, an denen man abends einfach zu müde ist, um sich noch gross ums Abendessen kümmern zu wollen. Dann gibt man sich auch mal mit einem Hamburger zufrieden. So verhält es sich mit "When the music dies" - nur aus Sicht der Ohren!

Sabina Babayeva - "When the music dies"


Serbien 2012: Zeljko Joksimovic - "Nije Ljubav Stvar"


Serbien 2012
Artist: Zeljko Joksimovic
Titel: "Nije Ljubav Stvar"

Zeljko Joksimovic im Web:

Man könnte sich wehren, wie man möchte, es nützte nichts! Aber das will ich ja gar nicht! Man ist verliebt, verstört und verwirrt ob so viel Intimität und Ausstrahlung. Die Schönheit betörend und unwiderstehlich zugleich!
Alles einfach umwerfend und selten schön! Ja, man könnte gar sagen, nahezu perfekt! Ungehindert die Wirkung, ungefiltert das Gefühl! Beflügelt von der Fantasie, verführt von der Vorstellung, beschämt vom eigenen Gedanken; ausgeliefert dem eigenen verschämten Sentiment, verfallen der eigenen Vorstellung und benommen von der Absurdität! Einfach verrückt!
Jeder Ton ein glückseliger Stich ins eigene Herz. Ich will es nicht anders! Ich lass es gerne geschehen. Will auch nicht mehr. Nur dieses eine, diese Fantasie! Der Werbespot des Lebens!


Und jetzt noch ein paar Worte zu "Nije Ljubav Stvar" (engl. Text hier). Der Song bringt alles, was man sich vom Grandseigneur aus Serbien erhoffen konnte und durfte! Kurz gefasst: Schön! Einfach nur schön!

Zeljko Joksimovic - "Nije Ljubav Stvar"

Dienstag, 20. März 2012

Sinplus mit Startnummer 7

Startreihenfolge ESC 2012 ausgelost: 

Sinplus mit der 7! 

Grossbritannien eröffnet das Finale!


1. Halbfinale:
Nach 1975 (Simone Drexel), 1982 (Arlette Zola), 1997 (Barbara Berta) und 2008 (Paolo Meneguzzi) gehen auch Sinplus mit der Startnummer 7 ins ESC-Rennen! Rumänien singt davor, Belgien danach!

Das Los kann man durchaus als positiv werten, bin ich doch schon mal froh, dass wir nicht als Nummer 1 antreten müssen! Die Eröffnung des 1. Halbfinals übernimmt zum notabene dritten Mal bei vier Teilnahmen Montenegro, gefolgt von Island, Griechenland und Lettland. Unterschiedlicher könnten die Songs nicht sein! Komplette Start-Reihenfolge siehe unten.

Die Wildcards gingen an Finnland (9.) und Irland (18.), die somit ihre Startplätze selber wählen konnten. Österreich zog mit der 16 ein hervorragendes Los. Bis die Trackshittaz an der Reihe sind, wird sich auch die Verwunderung Europas über die als 14. ins Rennen gehenden Grosis (Grossmütter) aus Russland gelegt haben, denen Ungarn (15. Startplatz) ganz sicher mal zum Opfer fallen werden,

2. Halbfinale:
Der 2. Halbfinal wird gleich mit Zeljko Joksimovic eröffnet, gefolgt von Mazedonien. Die Wildcards in diesem Halbfinale gingen an die Ukraine (7.) sowie Litauen (18.). Schweden, der grosse Favorit, startet erstmals mit Nummer 11. Estland (14. Startplatz), mit der coolen Ballade "Kuula", ist als Ballade "freistehend" und wird somit nicht durch seinesgleichen neutralisiert.

Finale:
Die Startnummern der BIG5 (Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Spanien) wurden ebenfalls zugelost und Grossbritannien eröffnet gleich mal das Finale am 26. Mai 2012! Es ist dies nach 1960, 1963 und 1976 bereits das vierte Mal, dass das Königreich den Anfang macht. 1976 wurde das Ding sogar gewonnen mit dem fabelhaften Klassiker "Save your kisses for me"! Spanien erhielt die Wildcard und wählte Startnummer 19 aus, gefolgt von Deutschland, während Frankreich als 9. gleich vor Italien ins Rennen steigt. Gastgeber Aserbaidschan zog Startnummer 13.

Startreihenfolge:


1. Halbfinale:
1. Montenegro
2. Island
3. Griechenland
4. Lettland
5. Albanien
6. Rumänien
7. Schweiz
8. Belgien
9. Finnland (Wildcard)
10. Israel
11. San Marino
12. Zypern
13. Dänemark
14. Russland
15. Ungarn
16. Österreich
17. Moldawien
18. Irland (Wildcard)


2. Halbfinale:
1. Serbien
2. Mazedonien
3. Niederlande
4. Malta
5. Weissrussland
6. Portugal
7. Ukraine (Wildcard)
8. Bulgarien
9. Slowenien
10. Kroatien
11. Schweden
12. Georgien
13. Türkei
14. Estland
15. Slowakei
16. Norwegen
17. Bosnien & Herzegowina
18. Litauen (Wildcard)


Finale: BIG5 + Gastgeber:
1. Grossbritannien
9. Frankreich
10. Italien
13. Aserbaidschan (Gastgeber)
19. Spanien (Wildcard)
20. Deutschland

Grossbritannien 2012: Engelbert Humperdinck - "Love will set you free"


Grossbritannien 2012
Artist: Engelbert Humperdinck
Titel: "Love will set you free"

Engelbert Humperdinck im Web:

BBC
Was sollte man dazu nur sagen? - zur Entscheidung der BBC vor ein paar Wochen, Engelbert Humperdinck nach Baku zu entsenden. Ich war damals sprachlos und bin es, ehrlich gesagt, auch heute noch! Und das hat eigentlich gar nichts mit Engelbert zu tun.
Mein Ärger gilt eigentlich einzig und alleine einem Mann, der in Grossbritannien, der einstigen grossen Grand Prix-Nation, den Ruf des ESC anfangs mit hintergründigen, cleveren und pointierten Kommentaren in bester britischer Tradition, später dann aber mit hämischen und zynischen Bösartigkeiten demontiert hat, bis im Königreich eigentlich nur noch die EU ein schlechteres Image hatte als der ESC.
Die Rede ist natürlich von Terry Wogan. Seine Ironie und der dargelegte Sarkasmus waren Kult und meistens auch träf. Natürlich hat der ESC das Seinige dazu beigetragen - vor allem in den tieffliegenden 1990er Jahren. Der ESC begann sich dann aber zu entwickeln, in mikroskopisch kleinen Schritten zwar, aber immerhin. Terry Wogan derweil blieb stehen und seine viel gerühmten Pointen und Punches verkamen zum Programm und er zum Zyniker.
Und das Resultat? Seit einigen Jahren ist der Anlass auf der Insel eine reine Lachnummer und Grossbritannien am ESC eines der erfolgloseren Länder der letzten Jahre und musikalisch schon längstens vom ESC-Karren gefallen.
Der angerichtete Schaden ist immens und Hoffnungen auf Image-Pflege aus musikalischer Sicht sind nicht auszumachen! Der Entscheid, Engelbert Humperdinck vor den Karren zu spannen, ist einfach nur ein weiteres Stückchen im britischen 12-Punkte Flickwerk.
Terry Wogan ist unterdessen weg und seit 2009 kommentiert Graham William Walker alias Graham Norton den Anlass für BBC. Auch er ein Ire, aber das ist hoffentlich auch die einzige Gemeinsamkeit der beiden.

Engelbert Humperdinck
Aber das hat, wie gesagt, alles nichts mit Engelbert Humperdinck zu tun. Er wäre ja auch blöd gewesen, die Anfrage der BBC auszuschlagen. So eine Möglichkeit zum x-ten Karriere-Frühling im Spätherbst seines Lebens liesse sich niemand nehmen! Fragt mal la Lys!

Der 1936 in Madras (heutige Chennai)  unter dem Namen Arnold George Dorsey geborene Engelbert Humperdinck hatte seine Blütezeit während der Schnauz-Phase des letzten Jahrhunderts. "Release me", "The last waltz" und "Quando, quando" sind nur drei Beispiele seines riesigen Hit-Repertoires.
Es gibt aber auch einige musikalische Sünden und die lassen sich wohl nur mit einer ausgewachsenen Karriere-Endzeit-Panik erklären. Gemäss Wikipedia nahm Engelbert Humperdinck 1989 ein Album  mit Songs von Dieter Bohlen auf mit dem Titel "Ich denk an dich". Darunter gibts ohrige Gräueltaten, wie "Red roses for my lady" oder "I wanna rock you in my wildest dreams"

In Deutschland durfte Enge, wie er von den Fans genannt wird, aber nur unter dem Namen Engelbert auftreten, da die Verwandtschaft des namensgebenden deutschen Komponisten der Oper "Hänsel und Gretel" die Freigabe des Künstlernamens verweigerten.
Nebst der offiziellen Version, wie Arnold George Dorsey zu seinem Künstlernamen gekommen ist, gibts auch noch diese typisch britische Version hier!

Nun steigt er also hinein ins unberechenbare ESC-Rennen. Sein Song: "Love will set you free"!
Herausgekommen ist alles, aber nicht die auch bei mir erwartete Bombast-Schnulze! Im Gegenteil. Eine feinfühlige, harmonische und leicht melancholische Ballade mit feinsten und leisen Tönen ist eingetroffen, die auch trefflich in einem Musical untergebracht werden könnte. Lieblich und melodiös! Der Schmalz von früher ist weg, man vermisst ihn nicht.

Wirklich erstaunlich ist, dass genau dieser Song auch mit einem Grossorchester hätte überproduziert werden können. "Love will set you free" würde sich perfekt dazu eignen. Aber man entschied sich für die dezente, zurückhaltende Version und genau das macht, meiner Meinung nach, den Song so speziell und schlussendlich so schön!
Einzig beim Schluss schimmert der "alte" Crooner etwas durch. Die Rückung kurz vor Schluss und der Abschluss des Songs verbauen mir etwas die ungemeine Intimität des wunderbar schlicht instrumentierten Songs. Diese Schlichtheit der Melodie und diese Intimität des Gesangs sind ja gerade das Mitreissende am ganzen Song. Da hätte man auch gut und gerne auf die Rückung verzichten können und das Ende in den unteren Tönen belassen können.

Am Ende des Tages lässt sich sagen, dass "Love will set you free" eine schöne, grosse Überraschung ist, die uns aus Grossbritannien erreicht. Eine sehr schöne! Die Fans aus den Ur-Zeiten Engelberts werden so oder so für ihn anrufen in Baku. Mit dieser zeitgemässen und sensiblen Ballade werden aber noch viele neue dazu kommen und am Schluss wird Grossbritannien ziemlich weit vorne zum Stehen kommen. Ich denke mir mal, nicht zuoberst. Aber zumindest weit oben.

Und die BBC wird wohl wieder einmal den Kopf aus der ESC-Schlinge ziehen können und dank eines "Notnagels", der alle, auch Windmaschinchen, überrascht hat, ein respektables Ergebnis einspielen. Dem Engelbert und dem Song würde ich es auf jeden Fall gönnen!

Engelbert Humperdinck - "Love will set you free"













Sonntag, 18. März 2012

Sinplus - "Unbreakable" - offizielles Preview-Video


Nun haben auch Sinplus ihr Preview-Video veröffentlicht! Die komplette Neu-Aufnahme von "Unbreakable" gewinnt vor allem im sprachlichen Bereich und überzeugt weiterhin durch hohe musikalische Wiedererkennung und seine positive Ausstrahlung. "Unbreakable" bleibt extrem frisch, eingängig und zugänglich.
Die CD "Disinformation" wird rechtzeitig zum ESC im Mai veröffentlicht und enthält natürlich auch "Unbreakable"!

Für mich ist und bleibt "Unbreakable" (Lyrics: siehe unten) der beste Schweizer ESC-Beitrag seit 32 Jahren!


Ausführliche Gedanken zu Sinplus und "Unbreakable" findest du hier!

Sinplus - "Unbreakable"


Lyrics (Quelle: Youtube - sinplustv/"Unbreakable")


You can do anything you want
It doesn't matter how hard it is

You can do it
You can do it

So please don't mind
Close your eyes
Take a trip outside your head

You can give me more

Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream

Unbreakable
Unbreakable
Unbreakable
Unbreakable

Don't stop rock
Rock the place
Don't stop tryin'
Try your best

Don't stop
Don't stop movin'

Today without a doubt
A good vibe is in the crowd

You can do it
You can do it
You can do it

Unbreakable
Unbreakable

You can give me more

Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream

Unbreakable
Unbreakable

So please don't mind
Close your eyes
Take a trip outside your head

Unbreakable
Unbreakable
Unbreakable
Unbreakable

You can give me more

Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream
Swim against the stream
Following your wildest dream, your wildest dream

Unbreakable

Rona Nishliu: "Suus" - offizielles Preview-Video

Nun ist es da, das offizielle Preview-Video von Albanien. 
Rona Nishliu präsentiert ihr phänomenales "Suus" in der vorgeschriebenen 3-Minuten-Fassung. 
Die albanische Sprache wurde - Danke! Danke! Danke! - beibehalten!


Herausgekommen ist nichts weniger als ein Meisterwerk! Die Intimität wurde beibehalten und die Orchestrierung leicht geglättet und gestrafft. Alles zusammen ergibt ein zusammenhängendes und aufeinander abgestimmtes Klangbild, das nicht packender und eindringlicher sein könnte! Es ist zum Verrücktwerden - im wahrsten Sinne des Wortes. Reinste Glückseligkeit! Ein Epos besonderer Güte!
Grandios, einfach nur grandios dieses Juwel von der göttlich talentierten Rona Nishliu!

Ausführliche Gedanken zu Rona Nishliu und "Suus" findest du hier!

Rona Nishliu - "Suus"


Samstag, 17. März 2012

Litauen 2012: Donny Montell - "Love is blind"


Litauen 2012
Artist. Donny Montell
Titel: "Love is blind"

Donny Montell im Web:

Was für ein Kuddelmuddel! Somit wäre schon alles gesagt, was es über "Love is blind" an Positivem zu berichten gibt.

Da gabs beim Song-Einkauf wohl die Ballade zum halben Preis, wenn man gleichzeitig bereit war, auch noch die liegengebliebene 1970er-Disco-Knolle zu verwerten!
50% Ballade, 50% Disco, garniert mit nonchalanter Gleichgültigkeit und am Schluss ergibt das alles etwas, das weder Fisch noch Vogel ist. Und das Schlimmste am Ganzen: beide Teile tönen wie B-Seiten zweier Papierkorb-Kompositionen von George Michael. Eine im Suff erstellt und die andere im Nebel!

Und dann das mit der Augenbinde......! Mag ja eine gute Idee sein iwie! Dass so eine Geste eben auch sehr viel mit Glaubwürdigkeit zu tun hat, zeigt uns Donny Montell (mit bürgerlichem Namen Donatas Montvydas) in Perfektion, wenn sie eben, wie hier am Vorentscheid, total in die Hosen geht! Ihm nehme ich diese symbolische Feinfühligkeit der blinden Liebe in keiner Weise ab. Das sieht man an seinen kantigen Bewegungen, an seiner Körperhaltung und am einhändigen Radschlag à la Jedward an! Nicht einmal der Pathos gelingt, der in diesem ersten Teil über dem Lied hängt!
Erst wenn der Disco-Granny-Teil beginnt, spürt man, wo er sich eher zuhause fühlt.Hier wird einfach etwas hingestaget! Planlos und nicht durchdacht. Man nehme dies, man nehme das! Man weiss ja schliesslich, wie das läuft am ESC!

Das ist eben genau das, was Estland dieses Jahr so unglaublich gut macht. Ihr Verzicht auf prätentiöse Gesten und Handlungen. Einfach nur den Song singen und die Musik sprechen lassen. Aber das estnische Meisterwerk ist ja auch nicht zu vergleichen mit diesem Musik-Basar.

Ein 50%iges Intro habe ich, glaube ich, noch nie gesehen. Als wäre der Stil-Wechsel zu diesem Zeitpunkt nicht schon eigenartig genug, holperts im zweiten Akt dann gleich weiter mit irgendwelchen unangekündigten Rhythmus-Wechseln, die so überraschend und unmotiviert auftauchen wie eine Birne am Apfelbaum. Aber dafür kann der Donny Montell nichts. Dafür ist Brandon Stone verantwortlich. Was beiden gemeinsam ist, ist die fehlende Glaubwürdigkeit: in der Performance (Donny Montell) und in der Komposition (Brandon Stone).

Donny Montell - "Love is blind"




Israel 2012: Izabo - "Time"


Israel 2012
Artist: Izabo
Titel: "Time"

Izabo im Web:

Na, besser hätte der Titel nicht gewählt werden können! Die israelische Gruppe Izabo entführt die Zuhörer in eine wahrlich ferne Vergangenheit - in die 1970er-Jahre. In Bezug auf "Time" wird oft von Retro-Sound geschrieben. Dem kann ich nicht zustimmen! "Time" IST 1970er-Sound - nur etwas schneller gespielt.

Nach erstmaligem Hören von "Time", merkte ich sehr schnell, dass ich kein grosses Kind der 1970er-Jahre bin. Meine Yesteryears sind auf den 1980er-Sound getrimmt. "Time" bleibt bei mir deshalb im Time-Tunnel stecken und vermag keinen grossen Eindruck zu hinterlassen. Die einzige Frage, die mich nur noch beschäftigte, war, welche anderen Songs ich in "Time" wiederzuerkennen vermutete. Und nach Durchforsten einiger Foren, kam ich dann mal zum Schluss, dass "Time" ein Gemisch aus Bobby Darin's "Dream Lover", Abba's "Nina, pretty ballerina"-Refrain und Showaddywaddy tönt. Natürlich spreche ich hier nicht von Plagiat, aber die Anlehnungen sind mir deren einfach zu viele!

Das Gesamtbild enthält mir daher zu viele fremde Federn, um als Verneigung an einen Musik-Stil resp. um als eigenständige, geschweige originelle Komposition durchgewunken werden zu können.
Zudem ist der Beitrag schon fast nervig eingängig.

Gemäss ihrer Myspace-Seite handelt es sich bei Izabo um eine “brilliant, action packed combination of Psychedelic Rock, Disco, Punk and Arabic spices". Vieles davon ist in "Time" nicht übrig geblieben. Da scheint jemand den Mut vor seiner eigenen Originalität etwas verloren zu haben, um sich den Massen etwas mehr zu "öffnen". Die Rechnung könnte am Schluss resultatmässig vielleicht aufgehen, musikalisch aber sicher nicht.

Das Resultat, für mich persönlich: "Time" mag funny sein, ist aber weder eine Hommage an eine vergangene Zeit, noch ist der Titel originell. "Time" ist ein typischer "sounds like ..."-Titel, dem das persönliche Etwas und die Eigenständigkeit abgeht und aufsässig im Ohr stecken bleibt.

Izabo - "Time"




Estland 2012: Ott Lepland - "Kuula"


Estland 2012
Artist: Ott Lepland
Titel "Kuula"

Ott Lepland im Web:

Du und ich! Ganz einfach!

Hört und horcht! Estland fordert uns dazu auf, hinzuhören und einfach mal zu horchen. So will es der Titel, der uns Ott Lepland in schamloser Ehrlichkeit näherbringt.

2009 setzte  sich Ott Lepland bei "Estland sucht den Superstar" durch. Unter anderem sang er im Duett mit der Lead-Sängerin von Urban Symphony deren "Rändajad" (Estland 2009) in einer speziellen, aber gelungenen Version.

Vieles scheint dem Ohr bekannt, offensichtlich der Weg, der begangen wird, klar das Ziel, das erreicht werden will. An "Kuula" ist nichts wirklich neu oder überraschend und doch ist so vieles anders an dieser wunderschönen Ballade aus dem Baltikum!

Mit unverfrorener und schon fast dreister Direktheit lässt "Kuula" Vorstellungen und Haltungen in sich zusammenbrechen, lässt Einwände links liegen und ignoriert jedes erdenkliche Aber, bis das ganze Herz nackt vor der wunderschönen Tonfolge und dem eindringlichen und betörenden Text steht und sich des Lebens erfreut!
"Kuula" ist ergreifend, durchdringend und absolut frei von irgendwelchem Schmalz und Zuckerguss. Die enorme musikalische Intensität in seiner ganzen Einfachheit ist verblüffend und entwaffnend. Selten habe ich eine Ballade angetroffen, die mit einer solch überwältigenden Ehrlichkeit zu überzeugen wusste.

Es bleibt zu hoffen, dass "Kuula" in seiner Sprache belassen wird, selbst auf die Gefahr hin (und die ist ja sehr gross), dass kaum ein Europäer den wunderschönen Text mitbekommt. Aber vielleicht würde es dann schon genügen, wenn die Kommentatoren der Teilnehmer-Länder ihre Zuhörerinnen und Zuhörer auffordern würden, einfach mal hinzuhören und ihr Herz übersetzen zu lassen!

Mehr brauchts nicht, um diese wunderbare Musik zu verstehen und "Kuula" zu begreifen. Und wenn man "Kuula" versteht, versteht man auch sich selber! Du dich und ich mich. So einfach wärs!

"Kuula" ist grosses Kino mit leisen Tönen!

Ott Lepland - "Kuula"



Ott Lepland - "Kuula" (offizielles Preview-Video)

Niederlande 2012: Joan - "You and me"


Niederlande 2012
Artist: Joan
Titel: "You and me"

Joan Franka im Web:

Ein Indianer kennt keinen Schmerz und die Holländer keine Gnade! Es ist einfach zum Vögel Aufblasen mit den Käserollern!

Bevor ich mir auch nur eine holländische Vorausscheidung antue, müssen die Flachstländler erst einmal den einen oder anderen einigermassen guten Beitrag an den ESC schicken! Und ich meine damit nicht einen campen oder trashigen, sondern einfach einen guten Beitrag! Und das tun sie mit verblüffender Regelmässigkeit nicht!

Ähnlich wie in Deutschland, hat das nationale holländische TV (TROS) den Vorentscheid "privatisiert" und an John de Mol (aus dem Fernsehproduktions-Imperium Endemol - Stichwort: Wer wird Millionär?/Big brother/Die Mini-Playback-Show uvm) abgegeben. TROS war lediglich noch der Ausrichter des Anlasses. Die sechs intern ausgewählten Finalisten traten in Duellen gegeneinander an und am Schluss schwamm eine Indianerin zuoberst!

Und diese "Indianerin" heisst Joan Franka (mit bürgerlichem Namen Ayten Kalan), hat den Song selbst komponiert und getextet und sie singt für Holland diesen Verschnitt aus Winnetou, Amy MacDonald und einem Sonnenuntergang namens "You and me"!

Man muss schon blind sein, um diesen Song wirklich zu mögen. Der Schock sass nämlich tief, als ich das Video zum ersten Mal zu sehen bekam! Was ist denn das? Diese Aufmachung!? Muss was mit dem Text zu tun haben. Also mal nachschauen! Nachdenken! Fester! Hmmmh! Fragezeichen! Hat sie früher in ihrer Kindheit mit ihrem Spielkumpan, den sie jetzt so schmerzlich vermisst, Cowboy und Indianer gespielt? Und jetzt? Heute? Ist sie wirklich überrascht, dass er wortlos an ihrem Haus vorbeigeht, wenn er sie, mit knapp 32 Jahren im Federkleid im holländischen TV auftretend, sieht und nicht mehr mit ihr spielen will? Me not! Der schämt sich ja bis auf die Unterhosen, denn auch er weiss, dass "everybody knows"!

Dieser Beitrag ist wirklich unsäglich, auch wenn die Musik nicht wirklich mies ist. Und ich weiss, dass es mal eine Zeit gab, wo mir diese Art von Musik gefallen hat, aber an den genauen Tag mag ich mich jetzt auch nicht mehr erinnern. Und das ist auch die einzige Entschuldigung, die ich gelten lasse, um mir nicht in den Fuss zu schiessen, der mit gnadenlosester Gleichgültigkeit vor sich hinwippt.

Aber der ganze Flunder-Plunder-Hauch, der über diesen Beitrag und dieser Sängerin schwebt, bringt meine Bachblüten-Allergie voll zum Kochen!

Aber vielleicht ist die im Song besungene Person ja auch kein Er, sondern eine Sie. Womit wir doch noch etwas Positives am holländischen Beitrag gefunden hätten, wenn es denn so wäre!

Joan - "You and me"




Mittwoch, 14. März 2012

Schweden 2012: Loreen - "Euphoria"


Schweden 2012
Artist: Loreen
Titel: "Euphoria"

Loreen im Web:

Mein Lieblings-Satz am Melodifestivalen ist jeweils, wenn es heisst "Sverige, vi har ett resultat" ("Schweden, wir haben ein Resultat")! Und das haben sie, die Schweden! Das haben sie!

Endlich! Der Eurovision Song Contest 2012 hat doch noch seinen grossen Favoriten gefunden! Einen Favoriten, dem man die ganze Last des gewinnen Müssen aufbürden kann, darf und muss!
Als grosse Favoritin ist Loreen ins Melodifestival-Finale gegangen, als grosse Siegerin ist sie aus diesem Finale herausgekommen und gilt nun als grosse Favoritin auf den Sieg am ESC 2012 in Baku. So wollen, verlangen und sehen es zumindest die Schweden!

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Three Ladies - One Team!
Helena Bergström, Sarah Dawn Finer und Gina Dirawi! Diese drei Damen führten durchs diesjährige Melodifestivalen. Und sie waren, in einem Wort, grossartig! Sie waren das absolute Highlight der MF-Ausgabe 2012 und sorgten für grosse Unterhaltung - vor allem im Finale. Wenn schon 31 Songs es nicht schafften, mich vom Hocker zu hauen, waren es zumindest die drei Präsentatorinnen, die für tolle und zum Teil schenkelklopfenden Humor sorgten! Absolutes Highlight: Sarah Dawn Finer's Sketch als brittische EBU-Angestellte!

Sarah Dawn Finer-Sketch


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Die Unschlagbare
Loreen, die Überfliegerin! Loreen, die Unantastbare! Bevor ihr Auftritt am Finale auch nur angekündigt wurde, verfiel das Publikum bereits in schiere Ekstase. Die Tribüne bebte und die Tribüne schwankte. Sie schwankte! Nicht aber Loreen! Loreen kam und alle anderen wurden zu Statisten degradiert. Veni, vidi vici!

Allen voran Danny Saucedo, der Zweitplatzierte! Wieder blieb nur der zweite Platz übrig! The winner takes it all, the looser's standing small! "Amazing" hätte auch nicht gewinnen dürfen aus meiner Sicht. Zu schwach der Song, zu viel Gimmick. Nichts im Vergleich zu "In the club" aus dem Vorjahr! Nach einer gesanglich furchterregenden Vorstellung in der Vorrunde, schaffte er es im Finale wenigstens, sich mit einer Noten-technisch befriedigenden Vorstellung in die mediale Unbedeutsamkeit zu verabschieden!

Amazing an diesem Abend war nur Loreen. Die 1983 in Stockholm geborene Sängerin mit marokkanisch-berberischem Hintergrund, versuchte sich bereits letztes Jahr am Melodifestivalen, scheiterte aber mit dem tollen "My heart is refusing me"!
Eine wichtige Erkenntnis für sie wird sein, dass sie im Vorfeld des Melodifestivalen NICHT zu den absoluten Favoriten gezählt wurde, sondern als Aussenseiterin galt. Als Favorit war eben (unter anderen) Danny Saucedo vorgesehen oder die sang- und klanglos abgeschmierte Charlotte Perrelli (heilige null Punkte, gibts in der Schlagerhölle doch noch so etwas wie Gerechtigkeit)!
Doch zurück zu Loreen. Loreen wurde erst dann zum Hype, als ihr Song erstmals (in der ersten Vorrunde) der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Erst danach wurde "Euphoria" zum Selbstläufer! Was beweist, dass der Song den Startschuss zum Siegeszug gegeben hat und nicht der Hype um die Person.

Obwohl alles andere als ein G:son-Fan (der übrigens auch für den spanischen Beitrag zuständig ist!), muss ich eingestehen, dass mir "Euphoria" ziemlich gut gefällt. Der Titel wird dem Song musikalisch vollauf gerecht. "Euphoria" ist dynamisch und dramatisch, mit grossem Potential im visuellen Bereich und grossem Wiedererkennungswert und mit einem hammerstarken Refrain und einer Sängerin mit grossem Profil!

Wie üblich, dürfen am Melodifestivalen Teile des Gesangs ab Band verwendet werden. Davon hat auch Loreen Gebrauch gemacht. Dieser Teil des Tracks muss nun bis Baku auf "all sung" umgestellt werden. Und Loreen wird schon dafür sorgen, dass mit ihrer ausdrucksstarken und markanten Stimme alles klappen wird, auch wenn die Final-Performance nicht perfekt war. Loreen ist nicht Eric S.!

Was mir persönlich aber grosse Mühe bereitet, ist Loreen's spasmische Performance, die teils wirr teils heftig abrupt und abgehackt und over-performed daherkommt! Das sieht mir zu sehr nach gewollter Kunst aus, zumal der Text in seiner Banalität ja schnell mal an Grenzen stösst. Vielleicht habe ich dieses "Getreide" ja noch nicht probiert, um diese Performance als glaubwürdig durchgehen zu lassen, aber diese Vorstellung von Loreen ist bei mir noch nicht angekommen, auch wenn, ja, der Titel "Euphoria" heisst!

Aus meiner Sicht bot das Melodifestivalen Ausgabe 2012 die wohl schlechteste Musikauswahl seit vielen Jahren. Aber was spielt das für eine Rolle, wenn darunter jener Song ist, der alle anderen Beiträge in den Schatten stellt. Schweden hat das Glück, diesen einen Song zu haben, der auch in Baku die meisten anderen Beiträge in den Schatten stellen wird! Vielleicht sogar alle!

Und dann heisst es vielleicht: "Europa, vi har ett resultat!"

Loreen - "Euphoria"



Freitag, 9. März 2012

Mazedonien 2012: Kaliopi - "Crno e belo"


Mazedonien 2012
Artist: Kaliopi
Titel: "Crno e belo"
("Schwarz und weiss")

Kaliopi im Web:

[Anmerkung: siehe Update weiter unten!]

Was für eine eigene Stimme sie doch hat, Kaliopi aus Mazedonien. Jede andere Künstlerin würde man fragen, seit wann sie denn erkältet sei!? Keine Sorge, ihre Stimme ist Kaliopis Markenzeichen! Und die beherrscht sie gut! Sie hat ja schon etliche Jahre Erfahrung als Sängerin und gilt in Mazedonien und darüber hinaus als feste Grösse im Showbiz. Wuchtig ihre Stimme, markant ihr Auftreten, glaubwürdig ihre musikalische Hingabe!

Dringt "Crno e belo" aus den Lautsprechern, juchzt das eine Ohr vor Freude, während das andere ein resignierendes "Mich fragt hier ja keiner" von sich gibt! Besser hätte der Titel nicht gewählt werden können. Hier beisst sich, ausser beim Gesang, so einiges. Nach der wunderschönen balladesken und Ohren schmeichelnden Einführung, irreführend untermalt mit einem Streicher, krachen dann plötzlich rockige Töne wie ein unerwarteter Platzregen über den Zuhörer herein, dass man sich schon fast im Regen stehen gelassen fühlt!

Dass man sich für einen rockigen Übergang entschied, kann akzeptiert werden, aber nicht in dieser (Synthie-Pop/Rock-)Form, in dieser trotz allem minimalistischer Instrumentierung und Orchestrierung. Fragt mich nicht, was ich genau will, aber in dieser Form - als Ganzes - gehts für mich nicht. Das führt meines Erachtens nirgends wohin musikalisch, ausser in die Irre für den Zuhörer! "Crno e belo" hat schon fast etwas mit dem Genre der "Neuen Deutschen Todeskunst" zu tun, aber dorthin will der Song natürlich nicht.
Aber wohin will er denn wirklich? Wenn der Übergang bleiben soll, dann einfach, bitte, ganz anders instrumentiert und orchestriert. Wenn nicht, dann, bitte, eine kunstvolle Ballade mit einem schönen üppigen Orchester untermalt. Und den Schrei (2:20), bitte, unbedingt weglassen! Man könnte den Tierschutz rufen!

In den Foren liest man sehr häufig Sätze, wie "der Song hat was", "irgendwie gefällt er mir", "wäre eigentlich nicht schlecht". Das grosse unausgesprochene Aber betrifft in den meisten Fällen diesen unpassenden Übergang und dessen Fortsetzung, der die Zuhörer überrumpelt und auf dem falschen Fuss erwischt! Während sich die eine Hälfte der Zuschauer dann veräppelt fühlt, ist die andere Hälfte schon gar nicht mehr wach zu kriegen!
Und bevor ich es vergesse: die englische Version geht schon mal gar nicht! Kaliopi in Ehren, aber die Sprache liegt ihr nicht!

Es steht ausser Frage, dass Kaliopi eine schon fast genial gute und charaktervolle Stimme hat! Dass sie ausgerechnet mit diesem Song ihre stimmliche Vielfalt präsentieren muss, ist iwie bedauernswert und entspricht nicht ihrem ganzen, wahren Können! Kaliopi ist auch keine Rockerin, sie ist eine Interpretin und das geht in eben diesem zweiten Teil von "Crno e belo" komplett unter.

Am Ende des Tages mag ich "Crno e belo" iwie zwar schon, aber auch nur dank des einen musikalisch sehr toleranten Ohres!

Mazedonien: überlegt euch das noch einmal! Wenn nicht für mich, dann wenigsten für die sympathische Kaliopi! Sie hätte es verdient!

Kaliopi - "Crno e belo"


[Update: 18.3.2012]
Nun hat auch Kaliopi ihr offizielles Video zu "Crno e belo" veröffentlicht! Und ich muss, knirsch, knirsch, meine oben publizierten Gedanken revidieren.....! Und zwar nach oben! 
Im nun veröffentlichten Video kommt der Sound viel satter rüber als zuvor und die Abstimmung zwischen Kaliopis charakteristischen und aussergewöhnlichen Stimme und der Musik kommen hier nun viel besser und ausgewogener zur Geltung, auch wenn vieles beim Alten geblieben ist. Kaliopis Ausstrahlung ist atemberaubend und beeindruckend in diesem Video und wird hervorragend in Szene gesetzt! Und dass man bei der mazedonischen Sprache blieb, kann nur von Vorteil sein!

Ich bin schwer beeindruckt! Nicht mehr nur von Kaliopi, sondern unterdessen auch von "Crno e belo"!

Kaliopi - "Crno e belo"


Donnerstag, 8. März 2012

Bulgarien 2012: Sofi Marinova - "Love Unlimited"


Bulgarien 2012
Artist: Sofi Marinova
Titel: "Love Unlimited"

Sofi Marinova im Web:

Das bulgarische Finale war zum Steine Werfen! Das ist in etwa noch alles, was ich von diesem ohne Wenn und Aber grauenhaften Vorentscheid noch im Kopf habe. Wenn man wenigsten einen klitzekleinen Hinweis erhalten hätte, wie die mit ohrenbetäubend falsch hingefläzten "Songs" im Original getönt hätten, wäre vielleicht noch etwas Gutes zu finden gewesen! Aber dem war leider nicht so!

Bis auf eine Ausnahme und diese hatte nicht nur etwas fürs Ohr übrig, sondern auch für Beine, Arme und den Kopf. Zuständig dafür: Sofi Marinova.
Die stimmgewaltige Bulgarin überzeugte auf der ganzen Linie, was den Song angeht. Die Aufmachung war wohl eher für eine Ballade vorgesehen, aber das lässt sich bis im Mai noch anpassen. Ok, auch der unsägliche Titel mit dem noch unsäglicheren Text ist nicht gerade 12-Punkt-würdig, aber das spielt für diesen Electro-House-Dance-Mischmasch auch keine so grosse Rolle. Denn der Track ist gut, wirklich gut!

Und er eignet sich genial fürs Autofahren - vor allem an Kreuzungen mit Ampeln und bei schönem und warmem Wetter! Dann hält Windmaschinchen nämlich schön artig vor der roten Ampel, kurbelt das Fenster herunter, lässt "Love unlimited" spielen, dreht am Lautstärke-Regler auf Maximum und lässt es dröhnen. Es dauert dann nicht lange, bis die ersten skeptischen und leicht verärgerten Blicke die Umgebung abscannen nach dem ihrer Meinung nach halbwüchsigen Blödmann, der nichts besseres zu tun zu haben scheint, als mit seiner voll aufgedrehten Musik das öffentliche Gleichgewicht aus den Fugen zu heben und zu stören!
Die Gesichter solltet ihr dann jeweils sehen, wenn sie dann nach kurzen ungläubigen Augenblicken mich, den nicht mehr ganz so jungen "Blödmann" vorfinden! Meistens geht ihr Blick dann sicherheitshalber nochmals zum vorderen und dann garantiert noch zum hinteren Wagen, bevor ihr Blick ungläubig wieder zu mir huscht. Dann fängts bei denen an zu rattern und spätestens beim Gedanken "Mid-life-crisis" gibts dann jeweils ein kleines Rencontre mit einem Baum, einem Pfosten oder einem anderen mitleidig dreinschauenden Passanten. Dieses Experiment finde ich immer wieder lustig und funktioniert fast ausnahmslos!

Dass der Song auf  Bulgarisch, Spanisch, Französisch, Arabisch, Türkisch, Italienisch, Griechisch, Serbisch, Aserbaidschanisch und Romani vorgetragen wird, sei der Form halber hier auch noch erwähnt. Aber der Text ist, wie oben schon geschrieben, von minimalster Wichtigkeit und nur Mittel zum Zweck. Hier regiert die wirklich toll gemachte Musik und vor allem der absolut tadellose Gesang der Sofi Marinova! Ab ins Finale mit dir!

Sofi Marinova - "Love Unlimited"







Russland 2012: Buranovskiye Babushki - "Party for everybody"


Russland 2012
Artists: Buranovskiye Babushki
Titel: "Party for everybody"

Buranovskiye Babushki im Web:

Vielleicht hätten wir Schweizer doch Lys Assia nach Baku schicken sollen, damit wir all das, was eigentlich nicht (noch einmal) sein sollte, ein für alle Mal hinter uns gebracht hätten: Lys, Ralph, Engelbert und nun die Ur-Mütter Buranovo's die "Buranovskiye Babushki". So oder so werden die Flughafenbehörden in Baku ihr Lager an Rollstühlen massiv aufstocken müssen!

Kommen wir zuerst aber zum Positiven, das es von der russischen Vorausscheidung zu berichten gibt! Da wäre einmal die Tatsache, dass Dima Bilan nicht gewonnen hat, was die Wahl zwischen Pest und Cholera um einiges erleichterte! Zusammen mit der ex t.A.T.u.-Sängerin Julia Volkova versuchte sich der ehemalige Sieger mit einem fahlen Song einmal mehr, auf der ESC-Bühne für Unruhe zu sorgen. Sein Anzug war farblich immerhin "Puder"-sicher!

Das absolute Highlight des zügig durchgeführten Vorentscheids war für Windmaschinchen aber das Duo "Syostry Syo" mit dem umwerfenden und hochklassig vorgetragenen "Une Marionnette". Das war ein perfekt aufeinander abgestimmter Beitrag, hervorragend gesungen, vorgetragen von zwei sehr unterschiedlichen, aber super-talentierten jungen Frauen. Ein verbal-musikalisches Streitgespräch zweier Gören erster Güte! Absolut phantastisch - in jeder Beziehung! Das war nach ewig langer Zeit wieder einmal etwas Ausserordentliches, Originelles und Spassiges auf hohem Niveau! Gehört für mich zum Besten dieser und mancher anderen Saison!

Syostry Syo - Une Marionnette


Gleich im Anschluss an Syostry Syo's Performance, traten die zwar niedlichen, aber aus meiner ESC-Sicht halt auch berüchtigten Buranovskiye Babushki auf, welche teils zahn- und teils tontrefferlos den Saal und die Zuschauer am Fernsehen im Sturm eroberten! Dies alles mit einem halt schon umwerfenden Charme.

Noch während ihres Auftritts fragte ich mich, ob es diesmal nicht mehr sind auf der Bühne, verglichen mit ihrem ersten Versuch 2010, Russland am ESC zu vertreten. Möglich ist es schon, denn ihr Bekanntheitsgrad in Russland hat sich sicher auch finanziell ausbezahlt, was der einen oder anderen erlaubt hat, die eine oder andere Lücke zu schliessen. Die Rede ist natürlich von Zähnen!

Nach ihrem Auftritt blieb einzig die Frage offen, ob sie Dima verhindern können oder nicht, der hatte zwar keinen so umwerfenden Jöh-Effekt wie die Greisinnen, dafür aber eine ungemein grosse Fanbase, auf die er zurückgreifen konnte. Die Buranovskiye Babushki schafften es dann aber doch und erst noch deutlich, was für Windmaschinchen zwar ein kleiner, aber immerhin halt doch wichtiger Trost war.

Die Frauen singen in udmurtischer Sprache ihrer Heimat und auf Englisch. Der Name des Frauen-Vereins bezieht sich auf ihr Dorf Buranovo, das eben in Udmurtien liegt.

Beruhigend auf Windmaschinchen ist die Tatsache, dass die Grossmütter (gemäss Wikipedia) auf eine Ersatzbank zurückgreifen könnten, falls es sich eine der sechs Erlaubten "anders überlegen sollte". Aber vielleicht hat sich ja bereits Frau L.A. bei Buranovskiye Babushki gemeldet. Wir werdens sicher bald erfahren. Stay tuned!

Klar, die Buranovskiye Babushki sind niedlich und herzig anzuschauen in ihren Trachten und Zahnlücken-gefüllten Gesichtern und ihnen zuzuschauen ist ein reines Vergnügen. Ich habe auch nichts dagegen, dass es am ESC Platz für ältere oder in diesem Falle gar für alte Leute hat. Im Gegenteil!
Aber Russland 2012 wird Punkte sammeln wie Hunde Flöhe! Und ich habe wirklich Angst, dass es zu viele Punkte geben wird. Als hätte Windmaschinchen nicht schon Mühe genug, dem Schweizer 08/15-ESC'ler verständlich zu machen, dass der ESC von heute keine Freak-Show mehr ist, wie er früher einmal war. Ich sage nicht, dass die Frauen Freaks sind (alles andere denn das), aber die Show macht den Act zu einem.

Schlussendlich ist "Party for everybody" eine Lachnummer. Die Interpretation dieses Begriffes kann beidseitig der Meinungsbildung geschehen!

Buranovskiye Babushki - "Party for everybody"





Mittwoch, 7. März 2012

Armenien nicht in Baku!


Nach Windmaschinchen verzichtet nun auch Armenien auf eine Teilnahme am ESC in Baku! Im Gegensatz zu Windmaschinchen, hat sich Armenien jedoch zuerst einmal für Baku angemeldet, um sich jetzt, zweieinhalb Monate vor dem Event, wieder abzumelden. Ob und in welcher Form Armenien für sein Fernbleiben in Baku von der EBU bestraft werden wird, ist nicht bekannt.

Wie Jan Ola Sand heute im Namen der EBU mitteilte, wird Armenien nun doch nicht am ESC 2012 in Baku teilnehmen. Somit reduziert sich das Teilnehmerfeld auf 42 Teilnehmer und in den Halbfinals treten nun jeweils 18 Länder auf. 

Für mich kommt Armeniens Rückzug weniger überraschend als deren ursprüngliche Anmeldung. Mit dieser politischen Entscheidung Armeniens wird natürlich auch der ESC resp. die EBU direkt torpediert, welche ja immer wieder betont, wie unpolitisch der ESC sei! Dass dem nicht so ist, wissen wir alle. Der ESC war schon immer politisch, er ist es heute noch und wird es auch morgen sein - aber meistens zeigt(e) sich diese politische Seite auf einem mehr oder weniger unbedeutenden und bescheidenen Niveau. Dem steht nun dieser Rückzug gegenüber, der schlussendlich die EBU im Regen stehen lässt (mal ganz abgesehen vom wirklichen und tragischen Hintergrund dieser Absage - siehe weiter unten), denn Aserbaidschan wird - jetzt mehr denn je - beteuern, dass es die Sicherheit einer armenischen Delegation zu jeder Zeit gewährleistet hätte.

Gross nach Gründen zu suchen, braucht man nicht. Der ewige Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan liefert deren genug. In diesem (ESC-)Fall jetzt liest man auch oft von dem kürzlich erschossenen armenischen Soldat, der nun zum Rückzug Armeniens geführt habe. Dabei geht zu leicht vergessen, dass solche Scharmützel der tödlichen Art in diesem Grenzgebiet leider an der Tagesordnung sind - im armenischen wie auch im aserbaidschanischen Grenzgebiet. Seit Jahren! Zuletzt hier. Scharfschützen hier wie dort. Tote Soldaten hier wie dort. Ein Katz-und-Maus-Spiel der grotesken und blutigen Sorte. Gewinner gibts hier natürlich schon lange nicht mehr!

Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas "Bewegung" in diesen Konflikt kommen wird - nach dem ESC - irgendwann. Und dann - mit grösster Wahrscheinlichkeit - in die falsche Richtung. Leider. Was übrig bleibt, sind Verlierer - hier wie dort. Männer mit Macht und Anspruch und viele, viele Menschen, gefangen in einem unfassbaren Propaganda-Netz. Hier wie dort!

Und nicht zuletzt - auf einer sehr bescheidenen Ebene - gehört auch die Musik zu den Verlierern. Aber das ist Peanuts! Ich ärgere mich!



Montag, 5. März 2012

Kroatien 2012: Nina Badrić - "Nebo"


Kroatien 2012
Artist: Nina Badrić
Titel: "Nebo"

Nina Badrić im Web:

Nach der letztjährigen Bauchlandung in Düsseldorf versucht Kroatien, dieses Mal alles richtig zu machen und verzichtete gleich mal auf (irgend)eine Vorausscheidung!
Es wurde dann entschieden, Nina Badrić nach Baku zu entsenden, die nun nach etlichen und vergeblichen Anläufen doch noch zum lang ersehnten Auftritt am grössten Musik-Festival der Welt kommen wird.

Mit der Song-Auswahl machte es sich das kroatische TV ebenfalls ziemlich leicht: man wählte "Nebo" von der gleichnamigen CD aus, welche vor ein paar Monaten erschienen ist.

"Nebo" mag vieles in sich vereinen, was eine Balkan-Ballade ausmacht, aber nichts davon sticht wirklich heraus beim Zuhören. "Nebo" ist mir manchmal zu sphärisch und frei von Überraschungen und geht auch schon mal verloren beim Durchhören der diesjährigen Beiträge. Der Song vermag mich nicht zu fesseln, mag iwie nicht einmal gross auf sich aufmerksam machen. Und wenn, dann fühlt man eine gewissen Trägheit und das Ganze verkommt zu einem Plätschern, dem man mithilfe der Skip-Taste ein Ende setzen möchte. Und dies auch schon mal macht.

"Nebo" wirkt zwar rund und abgestimmt und natürlich und erhält dank Nina Badrić eine würdige Interpretin, aber berührt hat mich der Song, der Kroatien aus der ESC-Krise reissen sollte, soweit noch nicht. Und ich befürchte, dass er dies auch nie schaffen wird bei mir. Schade vor allem für Nina Badrić.

Nina Badrić - "Nebo"