Portugal 2012
Artist: Filipa Sousa
Titel: "Vida minha"
Filipa Sousa im Web:
Andrej Babić's Seelenverwandtschaft mit Estragon und Wladimir!
Wie seit scheinbar Menschengedenken wurde auch dieses Jahr anlässlich des Festival da Canção darüber entschieden, wer das Land am äussersten Westrand Kontinentaleuropas in der (grosszügig zugeteilten) östlichsten Ecke Europas vertreten wird.
Ende letzten Jahres wurde der Fado, der schwer melancholische und sehnsüchtige Musik-Stil Portugals, ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Diese Ehre nahm sich das portugiesische TV, RTP, zu Herzen und veranlasste, dass die Beiträge fürs 48. Festival da Canção nicht nur auf Portugiesisch gesungen werden müssen, sondern auch im Zusammenhang mit der portugiesischen Musik, dem Fado im Besonderen, stehen müssen. Dass dann ausgerechnet ein nicht-portugiesischer Komponist das Rennen machte, war nicht nur bitterböse Ironie des (portugiesischen) ESC-Schicksals!
Dieser "nicht-portugiesische" Komponist ist in Tat und Wahrheit der Kroate Andrej Babić, der nun bereits zum sechsten Mal als Komponist am ESC vertreten sein wird. Die bisherigen fünf Titel schrieb er für: Kroatien 2003, B&H 2005, Slowenien 2007, Portugal 2008 sowie Slowenien 2009.
Während seine schwedischen Schlager-Kontrahenten Fredrik Kempe (letztes Jahr mit Schweden) sowie G:son (wohl dieses Jahr mit Schweden und Spanien) zum Schaulaufen ansetz(t)en, versucht sich der kroatische Schlager-Barde Andrej Babić einmal mehr in Portugal, in der Hoffnung, endlich den grossen Wurf zu lancieren, um den Anschluss zum schwedischen Schlager-Express nicht endgültig zu verlieren.
Im Gegensatz zu G:son, der mich dieses Jahr zu einem zähneknirschenden Doppel-Lob (Schweden hier, Spanien da) nötigte, enttäuscht mich zumindest der Kroate nicht, liefert er doch mit "Vida minha" in etwa das, was ich aus dieser Ecke (und da meine ich die musikalische und nicht die geografische Ecke) erwartet habe. Und das ist nicht gerade viel!
Es versteht sich (leider) von selbst, dass Fado-Superstar Mariza sich nicht für diese ESC-Occasion zur Verfügung stellen wollte. Das wäre wohl die grösste Sensation seit Patricia Kaas' Teilnahme gewesen.
Auf jeden Fall ging aus dem portugiesischen Vorentscheid die 1985 geborene Fado-Sänger Filipa Sousa (gebürtiger Name Filipa Alexandra Nunes Alves de Sousa) als Siegerin hervor.
Wann ein Musik-Stück genau dem Fado zugeordnet werden kann und wann nicht, kann ich nicht beurteilen. Dafür fehlt mir schlicht das Wissen. Wenn also "Vida minha" diesem Genre zugeteilt werden kann, dann seis so. Ich kenne den Fado nur von einigen CDs der genialen Mariza und beim Zuhören ihrer Werke und ihrer Interpretation derer, übermannen mich ganz andere Gefühle (der Sehnsucht, des Weltschmerzes und der Schwermut), als wenn ich mir dieses emotionalisierte "Nicht-viel" von einem "Vida minha" anhöre!
Fado hin oder her, aber "Vida minha" berührt mich nicht im Geringsten, weder aus allgemein musikalischer Sicht noch aus meiner Fado-Laien Sicht, und wirkt auf mich wie Disney's "Dornröschenschloss", das aussieht wie Schloss Neuschwanstein, es aber eben nicht ist, sondern lediglich eine Imitation! Nachgemacht, statt Eigenständigkeit!
Das grosse Warten auf den grossen Wurf geht für Andrej Babić also weiter. Irgendwann wird er aber kommen der grosse Wurf! Er wird! Irgendwann! Genauso wie Godot!
Filipa Sousa - "Vida minha"
