Die Performances
(alle Videos von ESC2012Azerbaijan)
Patric Scott feat. Fabienne Louves – „Real love“
Wie gut der Auftritt der beiden wirklich war, merkte man spätestens ein paar Schiff- und Ohrbrüche später. Man merkte sehr schnell, dass die zwei Bühnenerfahrung mitbringen und der Gesang der Beiden war sehr gut. Die von Carlos Leal angesprochene übertriebene Gestik vor allem bei Fabienne Louves empfand ich als gerechtfertigt. Es war meiner Ansicht nach genau das, was das Ganze daran hinderte, wirklich als natürlich rüberzukommen! Ansonsten wars ein erfrischender Auftakt, wenn auch nicht für die Beiden, denn Startnummer Eins ist und bleibt eine undankbare!
Emel – „She“
Emel lieferte gesanglich wie optisch eine ok-ishe Vorstellung ab, die mich - wie der Song auch – im Endeffekt aber wenig zu berühren vermochte. Bald einmal verlor ich das Interesse am Ganzen und gewährte meinen Augen alsbald freien Blick auf die zwei neckischen Tänzer. Einzige Frage, die sich mir noch stellte, war, ob sie, die Tänzer, allenfalls noch etwas mit Emels Trauerschleier im Schilde führten, was dann glücklicherweise nicht der Fall war. Ansonsten blieb ein unterforderter Gesamteindruck von „She“ zurück.
Mit lediglich 1,3% aller Stimmen belegte Emel den 11. und somit letzten Platz jener Songs, die aus der Mischrechnung Internet-Voting/SF-Jury hervorgingen. Es bleibt die Frage, wo all die Internet-Voters waren gestern Abend, welche ja im Vorfeld offenbar derart häufig für „She“ gestimmt haben müss(t)en...
Chiara Dubey – „Anima nuova“
Was für eine Entdeckung an diesem Abend (zumindest für die, die den Tessiner-Final noch nicht mitbekommen haben!). Fast wäre ich geneigt zu sagen, was für eine Sternstunde!
Diese herzberührende und humane Zerbrechlichkeit, beider des Songs und der Interpretin, ist kaum zu beschreiben. Ebenso ihre Nervosität, die sie mit allen erdenklichen Mitteln gerade noch so zu unterdrücken vermochte. Es war ein erinnerungswürdiger Auftritt, für den ich ihr noch lange dankbar sein werde, denn solche authentische und lebensbejahende Songs sind so, so selten geworden in unserem hektischen Leben, dass „Anima nuova“ eingerahmt und in jedem (Lebens-)Zimmer aufgehängt werden müssten! Und das von einer 18-Jährigen, du heilige Windmaschine!
Chiara Dubeys Auftritt war so dezent und eindringlich, dass man befürchten musste, dass „Anima nuova“ sogar gewinnen könnte. Und ich muss ehrlich sagen, dass sie es …. glücklicherweise nicht geschafft hat, denn der Schritt, der damit verbunden gewesen wäre, wäre vielleicht im Moment zu gross ausgefallen für sie. Der Spruch, ein Schritt zurück, um nächstes Mal zwei nach vorne zu tun, scheint mir für einmal angebracht zu sein.
Hervorzuheben gibt es aber noch etwas ganz anderes! Chiara Dubey war die einzige Teilnehmerin, die ihr Facebook-Profil nicht freigegeben hat. Keine Fan-Bearbeitung im Spam-Bereich, nichts, einfach nichts! Wie Sosofluo und Ze Flying Zézettes Orchestra gibt’s auch keine Homepage von ihr. Und trotzdem schaffte sie es auf den fantastischen dritten Platz, was schlussendlich zeigt, dass am Ende des Tages einfach der Song und die Präsentation zählen. Und beides stimmte an diesem Abend für Chiara Dubey und ihr wunderbares „Anima nuova“.
Guillermo Sorya – „Baby, baby, baby“
Mann, oh Mann, oh Mann! Das zuvor Gebotene zeigte steil nach oben, wurde aber mit den ersten Tönen Guillermo Soryas Song abrupt korrigiert – leider nach unten. Der für die Schnuckelpunkte infrage kommende Guillermo schockte mich geradezu, als er sich an sein Werk machte. Da war nichts mehr da von dem, was man sich anhand der Audio-Aufnahme erhoffen konnte. Der ganze Beitrag wirkte ohne Rückhalt, ohne Führung und schlussendlich ohne Überzeugung; und, wie später von der Jury nachgeliefert, irgendwie zu tief angesetzt. Es war, als ob das ganze Selbstvertrauen des Künstlers flöten gegangen wäre. Es war ja nicht unbedingt so, dass er falsch gesungen hätte, aber er war …. nirgends zu finden. Dabei war der Auftritt optisch sehr gelungen und er bewegte sich gekonnt auf der Bühne. Wars die technische Abstimmung, die nicht stimmte?
Ob er sich daran freuen wird, dass er nichtsdestotrotz Windmaschinchens Schnuckelpunkte abholte, wage ich jetzt mal zu bezweifeln!
Macy – „Shining“
Tja, und es ging im gleichen Stil weiter. Auch wenn „Shining“ überhaupt nicht mit Windmaschinchens Geschmack übereinstimmte, war es dann schon eine Enttäuschung, festzustellen, wie wenig aus diesem Party-fähigen Track gemacht wurde. Der Lead-Gesang wirkte von Beginn weg gepresst und irgendwie auch überfordert. Es passte so nichts wirklich zusammen und nach Gullermo Sorya konnte man auch Macy mal als „erledigt“ anschauen.
Sosofluo – „Quand je ferme les yeux“
Endlich mal gescheite Arbeit, muss sich der oder die Hair-StylistIn gesagt haben, als Sosofluo zur Bearbeitung im Salon erschien. „Hairspray“ liess grüssen. Das Outfit (Haar wie Textil) deutete auf eine selbstbewusste Persönlichkeit hin. Und ich, der „Quand je ferme les yeux“ ja nie mochte, war positiv überrascht, denn ihre Performance empfand ich als überzeugend. Dass dies ihr erster TV-Auftritt war, war kaum zu glauben, sie bewegte sich überzeugend über die Bühne und hatte die Kamera voll im Griff. Da hat jemand hinzugelernt! Einzig zum Schluss, als sie ihre vermeintlichen Stimmfähigkeiten etwas zu sehr spazieren führte, wurde sie wieder auf die echte Bühne des Lebens zurückgeholt. Der Song war aber so oder so nicht mehr zu retten, denn der war einfach zu schwach, auch wenn er auf der Bühne besser zu ertragen war als die Audio-Aufnahme.
Carlos Leal zerpflückte dann in seinen Bemerkungen auch den Beitrag entsprechend und wir konnten einen weiteren Beitrag von der Liste streichen. Hier sei nur angemerkt, dass „Quand je ferme les yeux“ auch sonst ganz hinten zu stehen gekommen wäre – auch ohne die deftige, aber treffende Kritik!
Atomic-Angels – „Black symphony“
Und das Streichen von der Liste ging munter weiter. Es war eine lamentable Phase, in der sich meine Ohren befanden! Ein Beitrag um den andern tat das Seine, um nicht mehr um den Gesamtsieg mitspielen zu können.
Die Atomic-Angels folgten diesem Trend bereits mit dem allerersten Ton. Hörte ich da gleichzeitig ein selbstbewusstes „Has ja gsäit“ („Habs ja gesagt“), das wie ein Refrain von hinter den Kulissen hervor drang? Muss mich wohl verhört haben!
Es ging auf jeden Fall un-überzeugend so weiter und man war geneigt zu denken, dass die 2-Minuten- -Klausel doch nicht das Übelste war, was sich SF ausgedacht hat.
Es war, wie so oft in dieser Plastic-Pop-Welt von heute: eine CD-Einspielung ist das eine, Live-Gesang desselben Stückes etwas anderes – etwas ganz, ganz anderes. Der Live-Gesang haperte von Beginn weg, war unausgewogen innerhalb der Gruppe und schlussendlich einfach schlecht – junges Alter hin oder her. Sie traten mit einem erwachsenen Titel an und konnten ihn nicht ausfüllen! Das war alles eine Nummer zu gross.
Wenn ich dann wie in diesem Fall sehe und höre, wie unterschiedlich die Qualität zwischen Aufnahme und Live-Gesang ist, fühle ich mich als Konsument dann halt sehr schnell mal ver-barscht und betrogen. Mich (immer noch als Konsument gesehen) dann zurückholen, bleibt dann fast immer unmöglich.
Und ich frage mich, wer hat bloss solches Interesse, solchen Speed in die Karriere der fraglos talentierten, aber noch so jungen Mädchen zu geben. Die armen Angels können ja nicht schneller älter und erfahrener werden als es die Natur zulässt. So eine Verantwortung möchte ich in meinem Leben niemals tragen müssen. Es sind diese „interessierten“ Leute, die den Mädchen jetzt ungewollt aufgezeigt haben, wie weit deren Live-Künste eigentlich noch hinter den von der Technik suggerierten Fähigkeiten liegen. Wehe, mindestens eine der drei jungen Frauen bemerkt das einmal; dann werden Engel fliegen lernen.
IVO – „Peace & Freedom“
Weniger als zwei Prozent-Punkte trennten ihn vom grossen Sieg. Als es in der Super-Runde der drei Erstplatzierten um den Sieg ging, war ich mir ganz sicher, dass IVO der Sieger sein würde. Zu meiner Überraschung wurden dann aber Sinplus ausgerufen.
Ein zweiter Platz mag resultatmässig ein Erfolg sein, aber auf dieser Stufe, mit diesem knappen Entscheid und zu diesem Zeitpunkt seiner bereits längeren Karriere mag für einen zweiten Platz schlichtweg kein Platz vorhanden sein.
Nach vier enttäuschenden Beiträgen lechzte das Publikum geradezu nach etwas Positivem und da kam ihm, dem Publikum, IVO gerade recht. Und er enttäuschte sie nicht. Im Gegenteil: er begeisterte nicht nur seine Fans in der Bodensee-Arena und das Publikum zuhause, sondern auch die Juroren (Stämpf, Carlos), die „Peace & Freedom“ in den höchsten Tönen lobten.
Und in der Tat, sie hatten recht! IVO’s Performance von „Peace & Freedom“ war der wohl beste Auftritt des Abends. Er war der ausgewogenste (Singer vs Backround), der professionellste (Staging) Auftritt des Abends und gehörte gesanglich ebenfalls zum Besten, was an diesem Abend geboten wurde. Hier merkte man, dass die professionelle Erfahrung mit den professionellen Fähigkeiten in Einklang stand. Was angepackt wurde, konnte auch umgesetzt werden.
Sicher, „Peace & Freedom“ gehörte nie zu meinen Lieblingssongs, aber ein Sieg hätte neidlos anerkannt werden müssen – auch von Windmaschinchen.
Ze Flying Zézettes Orchestra – „L’autre“
So kann man sich natürlich auch seinen eigenen Erfolg sabotieren. Nik Hartmanns Bemerkung, dass Sébastien, der Lead-Singer von den „Zézettes“, zu stoisch an seinem Platz verharrte während seiner Performance, hat dieser zwar gekonnt mit „man habe ihm gesagt, dort hinzustehen“ gekontert, aber leider komplett falsch verstanden! Es war schon fast beängstigend, wie unbeholfen Sébastien seinen sonst sehr gut gesungenen Beitrag vortrug. Sein stoisch versteinerter Blick traf kaum einmal auf eine Kamera und der eindringliche Text ging an seinem Gesichtsausdruck vorbei, als ginge es ihn nichts an. Die Lockerheit kam erst dann, als er zur Geige greifen durfte.
Da wurde auf eine leichtsinnige Art und Weise eine einmalige Chance vertan. Sicher, es war der erste „Zézettes“-Titel mit Text und der erste Auftritt am TV, aber dafür gibt’s doch die Proben!
Nun dann, Windmaschinchen musste schon wieder zum Stift greifen und Justierungen vornehmen auf seiner Liste.
Raphael Jeger – „The song in my head“
Die emotionelle Achterbahnfahrt, auf der sich Raphael Jeger in den Sekunden nach seiner Performance befand, kannte kein Ende. Eine Fahrt der Emotionen der bittersten Art. Die grenzenlose Erleichterung und exaltierte Freude der vergangenen zwei Minuten, die ihn schier übermannten, lösten sich nach der auf ihn eindreschende Kritik seitens von Carlos Leal innert weniger Sekunden in Schall und Rauch auf. Zwei trockene „Nein!“ liessen die Hoffnungen und Erwartungen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Sie holten ihn dorthin zurück, wo eigentlich auch der Song hätte hingehören müssen, in die Realität.
In diesen bitteren Momenten rächte sich vielleicht auch ein bisschen das verklärende Gefühl, das er sich geben liess, indem er seine zahlreichen und treuen Facebook-Freunde auf die paar unnützen Umfragen hinwies, die im Netz zirkulierten. Solcher Aktivismus dient in den meisten Fällen lediglich der eigenen Hoffnung, aber selten bis eigentlich nie der Realität. Er war nicht der Einzige, der sich von diesen unsäglichen Umfragen leiten liess, keiner dieser Aktivisten erreichte am Tag X das entsprechende und halt auch verklärende Resultat! Weil es eben nie vorgesehen war. Auch das eine bittere Erkenntnis.
Facebook-Freunde sind ja nicht da, um einem zu hinterfragen oder vielleicht sogar mal zu kritisieren, wenn es denn etwas zu kritisieren oder zu hinterfragen gibt. Nein, Facebook-Freunde sind nicht für das vorgesehen; dafür hat man Freunde!
Und ich erinnere hier nochmals an Chiara Dubey (und ich vergleiche hier explizit nicht die Songs, sondern bloss deren Werdegang!), die ihr Facebook-Profil nicht geöffnet hat, keine Webseite betreibt, keine (Strassen-)Aktionen lancierte, kein Video produziert hat und rein gar nichts gemacht hat, absolut nichts! Ausser: sie hat einen Song geschrieben, ihn bei RSI angemeldet und der Rest ist Geschichte. Sie liess die Musik sprechen.
Stämpf hatte irgendwie schon recht, als er bemerkte, dass der Song aus dem Bauch hätte kommen müssen und weniger aus dem Kopf. Alles erschien mir irgendwie kopflastig zu sein: der Song, die Präsentation und selbst die Gefühle. „Too many thoughts!“
I Quattro – „Fragile“
Als hätten es Songs dieses Genres nicht eh schon schwer bei Windmaschinchen, ging jegliche potenzielle Sympathie spätestens dann flöten, als einer der vier Tenöre im Gespräch mit Sven Epiney werbestrategische Äusserungen der durchsichtigsten Art von sich gab, indem dieser darauf hinwies, irgendeinen aserbaidschanischen Polit-Propagandisten getroffen zu haben, der ihn wissen liess, wie gut „Fragile“ im Osten goutiert würde. Wer hat denn so was nötig? Vielleicht jene, die wissen, dass der Song eh nicht gut genug ist für den Sieg? Dieses Episödchen war für mich in etwa so schmierig, wie der Song auch.
Sinplus – „Unbreakable“
Als es an Sinplus waren, ihren Song zu präsentieren, war für mich bereits klar, dass es hier nur noch um Platz 2 ging, zu stark erachtete ich IVO’s Performance. Und nach der Vorstellung von „Unbreakable“ war ich sicherer denn je, denn Sinplus lieferten eine zwar sehr gute, aber nicht an IVO reichende Vorstellung ab. Der Gesang in den ersten Sekunden war kaum zu hören (absichtlich so eingestellt?) und wenn, kriegte man gleich das grösste Problem zu hören, das „Unbreakable“ hat: die Aussprache. Sicher, für italienisch sprechende Menschen ist die englische Sprache eine riesige Herausforderung, aber hier müssen Sinplus nachbessern, schwierig oder nicht, denn es kursieren bereits einige diesbezüglich Kommentare im Netz.
Wir wissen es: am Ende reichte es den beiden Jungs aus Losone dann doch, wenn auch hauchdünn. Und ich denke mal, dass es am Ende einfach der Song war, der den kleinen Unterschied ausgemacht hat. „Unbreakable“ ist unglaublich wiedererkennbar, aktuell, extrem dynamisch und publikumswirksam mit seinem Rhythmus und seinem Drive, und lädt ein zum Hüpfen, Klatschen, Tanzen und Mitsingen. Wie ein Rausch!
Lys Assia – „C’était ma vie“
Die Demontage!
Es sind jetzt ein paar Tage seit dem Finale vergangen und die Gemüter beruhigen sich langsam aber sicher wieder, wenn auch nicht überall. Aber der Blätterwald wächst anderswo wieder munter weiter. Mit anderen Worten: es gäbe eigentlich Wichtigeres….!
Ich versuche, mich kurz zu halten (nicht meine Stärke, ich weiss!):
Lys Assia sang ihren Beitrag „C’était ma vie“ für ihr fortgeschrittenes Alter sehr gut in einer gediegenen Bühnenumgebung, welche den Song gut zu unterstützen wusste.
Meine Meinung war und ist seit Langem klar:
„C’était ma vie“ gehört in keinster Weise an den ESC des Jahres 2012 (wie es auch Carlos Leal ansprach). Für mich disqualifiziert sich der Song alleine durch diese Tatsache!
Lys Assia wusste, dass es eine Jury haben wird und dass auch sie sich dieser stellen musste! Nachdem zum Beispiel Sosofluo und Raphael Jeger ihr Fett in Form von herber, deftiger, aber aus meiner Sicht korrekter Kritik abbekommen haben, gab es doch keinen Grund, bei „C’était ma vie“ auf Perwoll zu schalten, nur weil es sich bei der Künstlerin um einen selbst ernannten Weltstar handelte. Stämpfs Meinung, die er nach langem Ringen um Worte von sich gab, dass „C’étai ma vie“ vielleicht besser zu einer Kaffee-Fahrt oder auf eine Kreuz-Fahrt passe, war seine Meinung, seine Meinung! Trust me, auf so eine Kreuz- resp. Kaffee-Fahrt würde ich sicher nie gehen, das ist meine Meinung! Mit andern Worten: Stämpf war eigentlich noch gnädig mit seinem Kommentar unter den Nicht-Fans.
Auf die Sache mit dem „Du“ will ich schon gar nicht erst eingehen. Das ist mir wirklich viel zu blöd. Was mir in dieser „Affäre“ wichtiger erscheint, sind die zum Teil bestätigenden Eindrücke die ich von Frau Assia vermittelt bekomme! Wäre die Sache mit dem „Du“ nicht gewesen, so wäre es wahrscheinlich etwas anderes geworden, woraus Frau Assia womöglich einen Skandal hätte produzieren können. Ich erhalte den Eindruck, dass es hier einfach darum ging, in den Schlagzeilen zu bleiben. Denn, der Song ist tot! Mausetot. Innert zwei Minuten zu einer kleinen Randnotiz verkommen, für die der Song eh vorgesehen war. Mit dem enttäuschenden 8. Rang liess sich auch keine Story mehr aufbauen, ausser einer schlechten.
Die Verzweiflung, die vor allem aus dieser „Du“-Affäre schreit, ist beängstigend. Und diese verbitterte Verzweiflung erscheint mir so gross zu sein, dass (wahrscheinlich schon lange) für Würde, Weisheit und Klugheit kein Platz mehr vorhanden zu sein scheint. Der Glanz eines noch so schäbigen Lichtes einer aufblitzenden Kompakt-Kamera ist immer noch besser als das grosse schwarze Dunkel, das an jedem beliebigen Tag herniederfallen kann und dem letzten Schein sein vermeintliches Licht nehmen könnte. Wie erklärt man Licht, das schon lange nicht mehr scheint? Wie versteht man Glanz, der nie so schien?
An diesem Samstagabend fand die Demontage einer vermeintlichen „Grande Dame“ statt. Nicht erst an diesem Abend hat sie begonnen diese Demontage, sie hat schon vor einigen Jahren angefangen. Nur hat dies in der breiten Öffentlichkeit bisher niemand festgestellt, da sich das meiste im kleinen inzestuösen Zirkel der ESC-Gemeinde abspielte, die auch heute noch über vieles hinweg schaut, nur um am Mythos „First Eurovision Winner ever“ festzuhalten. Jedem das Seine.
Um es klar zu sagen: Auslöser dieser Demontage war nicht der Stämpf, es war Frau Lys Assia selber!
Im Nachhinein erscheint mir Lys Assias Final-Qualifikation, welche ja von der immer noch unbekannten internen Jury des Schweizer Fernsehens hat unterstützt werden müssen, geradezu ironisch, wenn nicht sogar teuflisch böse. Oder müsste man sagen: teuflisch gut! Denn so kann man auch Fakten schaffen!
Katherine St-Laurent – „Wrong to let you go“
Als letzte Teilnehmerin trat Katherine St-Laurent auf die Bühne und lieferte einen optisch klassischen Auftritt ab. Gesanglich zwar auf gutem Niveau, gelang es ihr aber nicht, aus der Tausendware des Songs etwas Einzigartiges zu schaffen. Der gab einfach nicht mehr her. Mit Platz fünf gelang ihr damit aber ein sehr beachtliches Resultat.



