TEIL 1
Zuerst einmal herzliche Gratulation an Sinplus, die es schafften, mit „Unbreakable“ das Fernseh-Publikum mit einem modernen und dynamischen Song mit eingängigem Sound zu überzeugen. Um ehrlich zu sein, hätte ich nie gedacht, dass die Broggini-Brüder dieses Kunststück zustanden bringen würden in einem Land, das eher auf Sicherheit und Abwarten bedacht ist!
Für Windmaschinchen ist „Unbreakable“ das beste Lied, das die Schweiz seit Peter, Sue & Marc’s „Io senza te“ an den ESC schicken wird! Dass es sich hierbei um einen Rock-Track handelt ist eher nebensächlich; es ist die Ausgewogenheit, die bei „Unbreakable“ überzeugt! Windmaschinchen ist überzeugt, dass die Schweiz ein sehr gutes Resultat erreichen wird in Baku – ein sehr, sehr gutes!
Soweit das Wichtigste des ganzen Anlasses!
Die Jury
Was Carlos Leal, der ehemalige Sänger von Sens Unik und jetzige Schauspieler, während der Sendung so alles von sich gab, war etwas vom Besten, was ich je in ähnlichen Sendungen (wie Casting-Shows, Idols und Talent-Shows) zu sehen und zu hören bekam! Seine Bemerkungen waren praktisch ausnahmslos richtig und treffend. Vor allem stellte er (wie auch die anderen zwei!) nicht sich ins Zentrum, sondern die Musik, die Performance und den Gesang. Sicher, einige seiner Äusserungen waren hart, aber trotzdem immer fair. Er liess sein (musikalisches) Herz fühlen und sprechen. Nirgends zeigt sich dies Haltung besser als bei seiner Beurteilung von IVO’s Song „Peace & Freedom“, als er unumwunden zugab, dass der Song nicht seinem Stil entspreche, aber er diesen Beitrag als Ganzes ganz einfach top fand! Das nennt man objektive Beurteilung einer subjektiven Empfindung! Absolut toll gemacht. Félicitations! Und mal abgesehen davon: Heilige 12 Punkte, sieht der Typ gut aus, auch wenn er im falschen Club spielt….!
Ähnliches lässt sich auch von Stämpf (ehemals QL) sagen (ok nicht das wegen den "Heiligen 12 Punkten"), der es nicht scheute, seine Meinung in Worte zu fassen und diese, auch wenn sie, wie öfters, auch fadengrad und hart waren, auszudrücken. Sein Humor, der manchmal etwas krampfhaft wirkte, hatte oft so etwas wie eine entschuldigende „ich-will-dir-nicht-weh-tun-aber-ich-muss(-ehrlich-sein)-Attitude. Aber das ist nebensächlich; schön, dass er sich trotzdem mit dieser ehrlichen Haltung präsentierte.
Nik Hartmann (Fernseh- und Radiomann) war schon letztes Jahr bei der „Entscheidungsshow“ mit dabei. Viel hat sich nicht geändert seither in seiner Rolle des Juroren. Als medial stark exponierter TV- und Radio-Mann fällt es ihm merklich schwer, seine wirklichen (?) Gedanken in Worte zu fassen. Da steht schlichtweg zu viel auf dem Spiel – für ihn wie für seinen Arbeitgeber. Im Vergleich zu Carlos Leal und Stämpf, die beide Vollgas gaben, viel seine Präsenz dadurch natürlich merklich ab, zumal es auch Stämpf war, der für den Humor/“Humor“ zuständig war.
Ob sich SF bewusst war, was auf sie zukam, als sie Carlos Leal und Stämpf als Juroren engagierten, weiss ich nicht, aber die zwei haben und hatten nichts zu verlieren und konnten somit ihre Rolle, für die sie ja angefragt wurden, voll ausleben. Diese führten dann natürlich auch zu entsprechenden Reaktionen im Publikum (und im Netz). Nein, die zwei Herren kamen nicht, um das sonst so gehegte und gepflegte Wohlfühl-ich-hab-dich-lieb-du-hast-mich-lieb SF-Image auszuleben! Und genau das war es, was mir an der „Grossen Entscheidungsshow“ so gut gefiel!
Denn, Carlos’ und Stämpfs Kommentare zu den Songs und Performances waren in den häufigsten Fällen sehr treffend, aber – meiner Ansicht nach – nie unfair oder attackierend geschweige beleidigend. So hart sie manchmal auch ausfielen.
Es gab nur eine Aussage der Jury, mit der ich überhaupt nicht übereinstimmen konnte und kann: einige Male fiel die Aussage, dass dieser oder jene Stil des einen oder anderen Beitrags nicht zum ESC passe und dem widerspreche ich ausdrücklich! Meine Meinung ist und bleibt jene, dass jeder Song (ungeachtet des Stils), der gut und stark ist, Erfolg haben kann oder sogar gewinnen kann, wenn er gut und stark ist und entsprechend gut und stark präsentiert wird! Kein Künstler sollte sich deshalb davon abhalten lassen, seinen Beitrag zu präsentieren, nur weil der Stil seines Songs nicht ins allgemeine Bild des ESC’s passt!
Sven Epiney
Tja, da lag es dann an Sven Epiney als Feuerwehrmann agieren zu „müssen“, um all die kleinen Feuerchen, die Carlos und Stämpf mit ihren markigen Kommentaren jeweils legten, zu löschen. Und er hatte alle Hände voll zu tun! Er merkte natürlich sehr schnell, dass die zwei ihre Rolle als Juroren sehr ernst nahmen und war danach ständig darum bemüht, den Zuschauern beizubringen, dass dies lediglich die Meinung der nicht stimmberechtigten Juroren sei - im vollen Bewusstsein, dass deren Meinung natürlich enormes Gewicht hatten! Aber, um es noch einmal zu sagen, deren Aussagen trafen in den allermeisten Fälle den Kern der Sache und somit war deren Einflussnahme eine für den Zuschauer helfende Unterstützung!
Sven Epiney führte einmal mehr souverän durch die Sendung. Wo ich Probleme sehe, ist in der Simultanübersetzung bei der Feedback-Runde zwischen den Juroren und den welschen resp. den italienischsprachigen Acts. Es ist enorm schwierig und anspruchsvoll, Juroren-Feedbacks eins zu eins zu übersetzen und dies gelang Sven nicht immer. Es blieb sehr häufig bei bruchstückartigen Übersetzungen, die den Artisten in diesem Moment nicht allzu sehr weiterhalfen. Ich finde auch, dass es nicht Sven Epineys Aufgabe ist, diese Übersetzungen zu vollziehen in einer Sendung, die auch in der Romandie und im Ticino übertragen wird. Da wäre es doch angebracht von SF, den Zuschauern eine vollwertige Übersetzung im Off-Ton anzubieten, wie wir sie von anderen Sendungen kennen (z.B. Wetten, dass...?)!
Die Show
„Die Grosse Entscheidungsshow“ unterschied sich optisch wenig von jener des letzten Jahres. Aufgrund der relativ hohen Anzahl der Beiträge (14) mussten die Acts ihren Song auf eine Zwei-Minuten-Version runterkappen. Anfänglich war ich massiv gegen diese Art von Beschneidung, denn man wollte ausgerechnet dort Zeit sparen, um das es ja gerade ging: die Musik. Jetzt, wo das Resultat bekannt ist, muss ich eingestehen, dass diese Verkürzung mit grösster Wahrscheinlichkeit keinem Song den Sieg gekostet hat, denn das finale Resultat entspricht auch in etwa dem Gebotenen!
Während ich letztes Jahr gerne auf die Jury hätte verzichten können (mit grosser Ausnahme von Peter Reber!!), war diese dieses Jahr eine regelrechte Bereicherung! Können wir also für nächstes Jahr beibehalten in diesem Stil!
Was mich persönlich wirklich sehr überrascht hat, waren die doch sehr vielen falschen Töne! Während letztes Jahr geradezu ein Feuerwerk der guten Stimmen gezündet wurde, gab es gestern Abend doch einige Durchhänger. Dies ist insofern auch nachvollziehbar, als der gestrige Auftritt für sehr viele Artisten der erste TV-Auftritt ihres Lebens überhaupt war! Frage: wäre es für die Artisten und folglich für die vielen Newcomer vielleicht nicht doch von Vorteil, zuerst durch einen Halbfinal zu gehen, um sich schrittweise an diese für die meisten doch so neuen TV-Welt gewöhnen zu können. SF hätte somit auch die Möglichkeit, zum Beispiel die Hälfte der Teilnehmer selbst zu bestimmen (anhand der eingegangenen Bewerbungs-Videos!), während die Internauten die andere Hälfte bestimmen könnten! Somit wäre auch das leidige Thema der fehlenden Transparenz ein für alle Mal aus dem Weg geräumt.
Gedanken zu den Performances
...sind hier zu finden!

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