Windmaschinchen macht sich Gedanken über die 14 Finalisten, welche am 10. Dezember 2011 in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen das Finale der "Grossen Entscheidungs-Show" bestreiten werden.
Bisher erschienen:
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7/14
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Artist: Raphael Jeger
Titel: "The song in my head"
Raphael Jeger im Web:
Wo ein Eingabefeld, war Raphael Jeger nicht weit davon entfernt! Seine Facebook- (und sonstigen ESC-)Aktivitäten während der ganzen Vorselektion waren beeindruckend. Tagtäglich bediente und bedient er seine zahlreichen Freunde und Fans mit News, Aufrufen, Bitten und Hinweisen.
Mit einer kleinen, aber mehrere Tage dauernden Ausnahme: nach Ablauf der Abstimmungsphase wurde es plötzlich still auf seiner Facebook-Seite. Verdächtig still! Kein Eintrag, kein "Hallo", rein gar nichts. Und dies ging bis zum 9. November so weiter. Bis eine FB-Freundin lakonisch auf seine Pinnwand schrieb "Raphael ist verschwunden....". Diese Funkstille des ansonsten hyperaktiven FB-Nutzers war natürlich ein klares Zeichen dafür, dass er es mit seinem selbst komponierten Titel "The song in my head" ins Finale geschafft hatte. Der von SF versetzte "Maulkorb" aufgrund laufender Vertrags-Verhandlungen schien zu wirken. Kann mir gut vorstellen, dass ihm diese Abstinenz-Phase wohl ebenso unerträglich lang vorgekommen sein muss wie das Voting selbst!
Vor ein paar Jahren nahm Raphael Jeger an der Casting-Show "Superstar" des Senders 3+ teil. Platz drei war das respektable Resultat. Viel mehr über Raphael Jeger ist nicht zu erfahren; eine Bio sucht man auf seiner Homepage vergeblich. Auf seiner YouTube-Seite finden sich jede Menge "Me singing ...."-Videos, welche sein Gesangs-Talent unterstreichen.
"The song in my head" ist ein typischer Eurovisions-Song. Ein Eurovisions-Lied gemacht für den Eurovision. Flott, schmissig, wiedererkennbar. Da steht "Eurovision" von der ersten bis zur letzten Sekunde drauf. "The song in my head" erinnert an die gute alte Zeit, als die Beiträge noch nach Eurovision tönten. Er erinnert an eine Zeit, als der ESC noch Concours Eurovision de la chanson hiess. Es war eine tolle Zeit! Aber sie ist vorbei und die Musik von damals sollten wir doch in Frieden ruhen lassen, oder?!
Für mich persönlich stellt sich hier also die Frage: Will ich ein Eurovisions-Lied am Eurovision Song Contest hören? Meine Antwort für mich alleine: Nein, nicht wirklich! Tönt widersprüchlich, ich weiss. Hier meine Begründung:
Eines der grössten Probleme, wieso der ESC in den sagen wir mal 1990er Jahren praktisch in der Versenkung verschwand, war, dass jeder Song nach "Eurovision" tönte. Praktisch alle Songs wurden auf "Eurovision" getrimmt und tönten somit gleich, einer wie der andere. Aus meiner Sicht war dies mit ein Grund, wieso sich der ESC, wie ich es nenne, ghettoisierte und die Fans gleich mit dazu! Dass sich die Musik ausserhalb der ESC-Welt weiterentwickelte, wurde vom ESC ignoriert, jahrelang. Es dauerte bis in die 00er-Jahre hinein, bis man dies bemerkte, bis man ansatzweise moderne, aktuelle Musik zu hören bekam. Das ist mit ein Grund, wieso ich Lordi's Sieg 2006 in Athen immer noch als absoluten Glücksfall für den ESC anschaue. Die haben sich garantiert keine Gedanken gemacht, wie ein ESC-Song sein sollte, um zu gewinnen. Die zogen ihr eigenes auf Teufel komm raus Ding durch und ... gewannen! Was immer die Gründe für ihren Sieg waren, "Hard Rock Hallelujah" war definitiv keine ESC-Musik und das war für den ESC, wie gesagt, ein absoluter Glücksfall! Nicht, dass der ESC unterdessen als musikalischer Trendsetter aufgetreten wäre, aber ein Schritt zu aktuellerem Sound war somit getan. Lena's "Satellite" war ein weiterer Schritt in eine Richtung, in der ich den ESC gerne gehen sehen möchte und offenbar auch viele andere. Anna Rossinellis "In love for a while" ist ein weiteres tolles Beispiel. Da tönt nichts nach Eurovision. Dass der Song es dann auch ins Finale schaffte, war genial!
Gerade in der Schweiz, wo die letzten grösseren Erfolge eben gerade in die Zeit des "typischen" Eurovision-Sounds zurückgehen, hört man immer noch oft die Meinung, ein Lied sollte nach "Eurovision" tönen. Und diese Zeit, die gibt es nicht mehr. Vielleicht wäre es auch angebracht, den Anlass nicht mehr Eurovision Song Contest zu nennen, sondern vielleicht European Song Festival oder was auch immer, um diese stark verankerte, aber nicht mehr aktuelle Sicht des ESC "umzupolen"!? Und von Gedanken (ich nenne sie auch Vorurteile) wie Nachbarschafts-/Political-Voting, Bühnen-Show-Spektakel und weitere mehr, sollte man sich nicht treiben lassen, vor allem nicht beim Komponieren! Meine Ideal-Vorstellung dieses Anlasses ist dann erreicht, wenn der Eurovision nicht mehr nach Eurovision tönt!
Zurück zu "The song in my head". Auch wenn der Titel nicht wirklich schlecht ist, lässt mich der Gedanke nicht los, dass Raphael Jeger beim Komponieren ständig der Gedanke trieb, was ist ein typischer ESC-Song? Wie muss er tönen, was muss er bieten? Was muss ein typischer ESC-Song beinhalten, um Punkte zu erhalten, um Erfolg zu haben und um geliebt zu werden! Vor allem Letzteres kommt in irgendwelcher Art und Weise immer wieder irgendwie zum Ausdruck. Unaufdringlich, aber stetig.
Ich höre Pepe Lienhard, ich höre Peter, Sue & Marc, Egon Egemann und ich höre viele Beiträge vergangener ESC-Tage; ich höre die Vergangenheit, in die ich nicht wieder und nicht mehr zurückkehren will!
Aber was ich nicht höre, ist Raphael Jeger, das Original! Beim Betrachten seines YouTube-Kanales fällt mir auf, dass er jede Menge "Me singing ...."-Videos im Angebot hat, was ja ok ist. Was mir dort (auf der Seite eines Künstlers, der den Durchbruch sucht!) aber persönlich etwas fehlt, sind Videos mit dem Titel "Jeger sings Jeger", also Originale, die von ihm oder für ihn geschrieben wurden! Klar, das lässt sich einfach so schreiben, aber ob "Me singing ....."-Videos (welche es millionenfach gibt im Netz!) auf die Dauer das ist, was einem willigen, umtriebigen und talentierten Künstler, der er ja ist, zum Durchbruch verhelfen soll, ist eine Frage, die jeder für sich selber beantworten muss. Ich vermisse einfach das eigene, persönliche, musikalische Gesicht von Raphael Jeger.
Diese Konzentration auf Anderes und Andere schimmert bei "The song in my head" immer wieder durch, einem passablen, aber für mich viel zu nostalgischen Song. Obwohl ich mich seit vielen Jahren als ESC-Fan betrachte, bin ich keiner, der den "guten, alten" Zeiten nachtrauert, in keinster Weise! Die Zeit damals war grossartig und unvergesslich, aber sie ist vorbei! Ich möchte vorwärts schauen, der Musik Willen, und das bietet mir "The song in my head" leider nicht.
Raphele Jeger - "The song in my head"
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