Windmaschinchen macht sich Gedanken über die 14 Finalisten, welche am 10. Dezember 2011 in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen das Finale der "Grossen Entscheidungs-Show" bestreiten werden.
Bisher erschienen:
Macy- "Shining"
Raphael Jeger - "The song in my head"
Sinplus - "Unbreakable"
Ze Flying Zézettes Orchestra - "L'autre"
Guillermo Sorya - "Baby, baby, baby"
Katherine St-Laurent - "Wrong to let you go"
Lys Assia - "C'était ma vie"
Raphael Jeger - "The song in my head"
Sinplus - "Unbreakable"
Ze Flying Zézettes Orchestra - "L'autre"
Guillermo Sorya - "Baby, baby, baby"
Katherine St-Laurent - "Wrong to let you go"
Lys Assia - "C'était ma vie"
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13/14
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Artist: IVO
Titel: Peace & Freedom
Ivo im Web:
Ivo (Sidler) scheint mir einer der wenigen Künstler zu sein, der sich gedanklich nicht von den gängigen ESC-Vorurteilen (Ostmafia, Punkteschieberei und so weiter) leiten lässt in seinen Gedanken rund um den Mega-Anlass. In einem TV-Interview sagte er diesbezüglich (ab 1:35),
"dass es mit einem guten Song immer noch möglich sein sollte, etwas zu bewirken".Wo er recht hat, hat er recht!
Seit ein paar Monaten lässt der Bühnen-erprobte Ivo Freunde und Fans seiner Musik an der Entstehung seiner neuen CD teilhaben, indem er deren Entwicklung in Form von so genannten Videodiarys festhält. Da kommt die Final-Qualifikation des Songs "Peace & Freedom" natürlich sehr gelegen.
Informationen über den Künstler Ivo sucht man auf seiner Homepage vergeblich. Diese dient auch eher als eine Art Social-Hub mit entsprechenden Links zu Facebook und Co.
Das Bewerbungsvideo (s. unten) zeigt in drastischen Bildern, wozu der Mensch fähig ist, wenn weder Friede noch Freiheit geachtet werden. In frontalen Einspielungen werden Selbstverbrennung, hungernde, sterbende, misshandelte und traumatisierte Kinder, verbrannte, zerstörte, massakrierte und verwesende Leichen gezeigt. 9/11 und die Tian'anmen-Proteste finden ebenso Unterschlupf im Video wie das Napalm Mädchen. Zwischendurch erscheinen Friedens- und Freiheitskämpfer wie Marin Luther King, Mutter Teresa und Mahatma Gandhi, denen Zerstörer wie Hitler, Nazis, Stalin und andere gegenüberstehen.
Die Möglichkeiten, das humane Versagen darzustellen, sind mannigfaltig. Ivo entschied sich für die drastische Variante und das muss respektiert werden.
Wie so oft bei Friedensliedern und -botschaften wird das Grosse angepeilt, ungeachtet der Tatsache, dass das Grosse im Kleinen seinen Ursprung hat. Mani Matters "Zündhölzli" zeigt dies auf eine augenzwinkernde, aber wunderbar beeindruckende Art und Weise auf.
Was mir bei "Peace & Freedom" fehlt, ist das Wie! Wie kann der epochale Frieden und die grenzenlose Freiheit erreicht werden, die zwei höchsten Güter des menschlichen Seins, die der Song ja fordert? Einfach nur nach "Peace & Freedom" zu rufen, ist mir zu wenig. Wie viele dieser nach Frieden und Freiheit demonstrierenden Menschen führen tagtäglich ihren eigenen kleinen "Krieg" mit dem Nachbarn, den Kindern, den Eltern, dem Steueramt, dem Sozialamt, der Ex-Frau und dem Fremden? Darf ich für Frieden & Freiheit demonstrieren gehen, aber den Kirchenbau eines Fremden verbieten?
Wie kann das Grosse angepeilt werden, wenn man schon beim Kleinen versagt (Nicoles Siegerlied (1982) empfinde ich daher immer noch als gutes Beispiel für einen Friedenssong, denn er besingt nicht den grossen Frieden sondern "lediglich" ein bisschen Frieden!!)?
Frieden und Freiheit kennen kein Aber!
Das ist mit ein Grund, wieso sich bei mir in den meisten Fällen die Nackenhaare sträuben, wenn Songs dieses Couleurs am Horizont erscheinen. Frieden, das grösste ESC-Themen-Klischee! Ausgewallt und platt gedrückt! Und am ESC gabs schon mehr wie genug davon. Solche Beiträge verkommen sehr häufig zu eindimensionalen, plakativen und undifferenzierten Plattitüden.
Leider überkommt mich bei solchen Friedenssongs dann auch oft das einengende "Bist-du-nicht-für-mich-bist-du-gegen-die-Sache"-Gefühl, also so im Sinne von "wenn ich nicht für den (Friedens-)Song stimme, bin ich gegen Frieden & Freiheit". Und diesem Gefühl kann ich mich auch in Fall von "Peace & Freedom" nicht entziehen!
Wohlgemerkt: ich streite Ivos hehre Absicht für eine Welt in Frieden und Freiheit überhaupt nicht ab, so etwas masse ich mir nicht an, aber in der Umsetzung derselben, ist mir diese noble Botschaft, so wie ich sie in "Peace & Freedom" spüre, zu einfach geraten, zu plakativ. Wege zu Frieden & Freiheit werden nicht ansatzweise geboten und das ist mir, ich wiederhole mich, zu wenig und auch zu plump. Es fehlen mir sozusagen die "flankierenden Massnahmen", was schlussendlich auch etwas mit künstlerischer Glaubwürdigkeit zu tun hat.
"Flankierende Massnahmen", die uns Mani Matter, um zum "Zündhölzli" zurückzukehren, auf eine frappierend banale Art und Weise bietet - im allerletzten Satz!
Dass www.peaceandfreedom.ch auf Ivos Homepage weitergeleitet wird, kann man als sinnvolle Namenssicherung anschauen. Schade, dass es Ivo hier verpasst hat, auf seiner Homepage zumindest Links zu Friedensorganisationen oder Stiftungen seiner Wahl anzubieten, was man erwarten könnte bei der Eingabe dieser globalen Aussage! Stichwort "Flankierende Massnahmen"!
So aber, bleibt einfach nur der schale Eindruck, dass "Peace & Freedom" auf eine kommerzielle Webseite der Eigennützigkeit führt! Und diese Art von Statement hat bei mir als User auch etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun. Glaubwürdigkeit, die mir bei "Peace & Freedom" mehr und mehr abhanden kommt!
Zum Schluss doch noch ein paar Anmerkungen zur Musik. "Peace & Freedom" ist für mich Feuerzeug-tauglicher Schmuse-Pop, verpackt unter einem Rock-Mantel der Marke Bryan Adams. Mit der Zeit wirkt der Song sehr repetitiv und nützt sich daher sehr schnell ab.
Nein, ich werde nicht für "Peace & Freedom" stimmen, obwohl ich für Frieden & Freiheit einstehe.
Offen ist noch die Frage, wie Ivo, sollte er das Ticket für Baku lösen, das Problem der Einspielung des berühmten Satzes "I have a dream" von Martin Luther King lösen wird. Eine solche Original-Einspielung eines Zitats (auch eines gesprochenen!) im Music-Track ist meines Wissens nicht erlaubt am ESC und müsste folglich entweder live von einer Person auf der Bühne gesprochen oder einfach weggelassen werden.
Ivo - "Peace & Freedom"
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