In ein paar Tagen wird bekannt gegeben, wer die Glücklichen sein werden, die es in "Die grosse Entscheidungs-Show" geschafft haben.
Auch Windmaschinchen wartet gespannt auf das Resultat und zieht ein bisschen Fazit der Schweizer Vorauswahl. Dies vor allem deshalb schon jetzt, weil Windmaschinchen sich sehr gut kennt und aus Erfahrung weiss, dass sein Wunschresultat nur selten mit dem tatsächlichen Resultat übereinstimmt und sich als Folge davon ein volle Badewanne sucht, um sich darin zu ertränken!
Es muss und darf festgehalten werden, dass die
musikalische Qualität vieler Songs Windmaschinchens
Erwartungen bei Weitem übertroffen hat. Dass bei einer offenen Bewerbung auch viel Ramsch, Grausiges und Beängstigendes angeboten wird, ist logisch und war daher zu erwarten.
Songs, wie jene von
When They Wake, Ad-Rian, Zero In On, Dorian Gray sowie Candy from a Stranger, waren den ganzen Aufwand alleine schon wert! Sollten sie ins Finale kommen, wäre dies toll. Falls nicht, wäre dies zwar sehr schade, aber sie haben mir gezeigt, dass in der Schweiz gute Musik gemacht werden kann. Und das genügt mir fürs Erste mal!
Hinzu kamen viele Beiträge, die einfach gut waren, die sich gerne hören lassen und einfach mal Spass machen! Hätte mir im Vorfeld jemand gesagt, dass meine Top-10 problemlos mit 15-20 Songs hätten gefüllt werden können, hätte Windmaschinchen glatt ein Schäufelchen verloren vor ungläubigem Staunen!
Daher einmal ein Kompliment an all jene, die Windmaschinchens Ohren wohlgesinnt waren!
Der Termin
Das beste an der Schweizer Vorausscheidung war der gewählte Termin von SF. Kein anderes ESC-Land ist so früh dran wie die Schweiz! Kein anderes Land weit und breit führt zurzeit eine Ausscheidung durch! Die meisten Länder entscheiden jeweils in den Monaten Januar/Februar/März. Dann herrscht in der ESC-Community ein beispielloses Gedränge. Da hätten wir es publizistisch schwer gehabt, wenn die Schweiz gleichzeitig mit z.B. Schweden, Norwegen, Island, Dänemark, Ländern Osteuropas und des Balkans eine Vorausscheidung durchgeführt hätte. Dieser frühe Termin führt dazu, dass unsere Pre-Selection auch den entsprechenden Platz erhält in der ESC-Community. So etwas haben wir noch nie erlebt! Es wird über die Ausscheidung geschrieben und diskutiert und es ist eine wahre Freude.
Durch die Fokussierung auf die Schweizer Vorausscheidung erhalten einige der antretenden Artisten auch einige Publizität, die sie so nie erhalten hätten - und das ist das absolut Tolle daran!
Kommunikation
Ein konstantes
Problem der letzten Wochen war
die Kommunikation - vor allem bei DRS3! Wer glaubte, auf der DRS3-Webseite genaue Informationen über den Entscheidungsprozess, Entscheidungsfindung, Termine etc. zu finden, lief ins Leere. Man musste sich seine Informationen von überall her selber verschaffen - sei dies über Facebook, verstreut auf der DRS3-Seite oder per Zufall! Die Kommunikation war
ungeordnet, unübersichtlich oder nicht auffindbar resp. unauffindbar. Da ging wohl einiges ein bisschen zu schnell für den Kanal!
Aus 10 mach 12
Ursprünglich war von insgesamt 10 Finalisten die Rede, drei davon von DRS3 "bereitgestellt". Im neuen Reglement, gültig per 1.11.2010 (
PDF-Download-Link hier), wird nun "
plötzlich" bekanntgegeben, dass das Finale mit
12 Beiträgen durchgeführt wird. Neben den sieben von SF und den drei von DRS3 werden auch
RTS (französische Schweiz) sowie
RSI (italienische Schweiz)
je einen Beitrag beisteuern. Bei RSI stehen
diese fünf Teilnehmer/Innen zur Auswahl. Am Mittwoch, 10. November, werden auf Radio La 1 morgens zwischen 9 - 11h (...) die Songs den Hörerinnen und Hörern vorgestellt. Eine nobelpreiswürdige Berechnung, bestehend aus SMS-Voting/Fachjury und Internet-Voting, entscheidet dann über den Teilnehmer resp. die Teilnehmerin aus der italienischen Schweiz. Meine Schäufelchen verbiegen sich bei so viel Kompliziertheit....! Wie RTS entscheidet, fand Windmaschinchen beim besten Willen nicht heraus....!
SF - Schweizer Fernsehen
Wie einfach es wäre, eine offene Bewerbung durchzuführen, zeigte das Schweizer Fernsehen, SF! Auf der Einstiegsseite wurden die letzten sechs Neu-Bewerbungen aufgelistet. Das sorgte wenigstens zu Beginn für eine Art Übersicht. Gegen Ende der Bewerbungszeit half dann auch dies nicht mehr weiter, da praktisch im 5-Minuten-Takt neue Videos aufgeladen wurden.
Auf der Video-Seite waren alle Beiträge alphabetisch gelistet. Hier wünschte ich mir eine Sortier-Funktion, die es erlauben würde, nach Eingang und nach Titel zu sortieren und nicht bloss nach Band-Namen/Interpret/Interpretin.
Was mir auf der
SF-Seite wirklich sehr gut gefallen hat, war die
klare Linie: Beiträge, die z. B. die 3-Minuten-Regel nicht eingehalten haben, wurden konsequent vom Netz genommen! Bravo! Beiträge, bei denen man später bemerkte, dass diese nicht dem Reglement entsprachen (z.B. zu früh veröffentlichte Songs, zu junge Teilnehmer/Innen etc.) wurden konsequent entfernt!
Dass
nur vier Stimmen zur Verfügung standen, brachte Windmaschinchen zwar ein bisschen in Verlegenheit, ist aber deshalb als positiv zu werten, dass eine "Mobilmachung" eines Artisten (z.B. auf Facebook, Twitter, Massen-Mails etc.) nicht dieselbe Wirkung zur Folge hat, wie wenn man 10 Stimmen zur Verfügung gehabt hätte. Deshalb war auch dies ein cleverer Zug von SF. Mehrfaches Voten war nur durch erstellen mehrerer Profile möglich, was sicher einige gemacht haben. Wie und ob SF die Voten auf ihre Richtigkeit hin prüft, weiss ich nicht. Hier ist einfach zu hoffen, dass so viele wie nur möglich abgestimmt haben. Je mehr abstimmen desto besser werden solche "Mobilmachungen" neutralisiert. Es wäre wünschenswert, wenn SF bekannt geben würde, wie viele Personen sich am Voting beteiligt haben - am besten aufgeteilt in Schweizer- und Nicht-Schweizer-Stimmen! Nur zu gerne würde ich wissen, wie "die Schweiz" und wie "das Ausland" abgestimmt hat! Ich gäbe echt viel für diese Information.
Für ein nächstes Mal wäre es vielleicht
von Vorteil, wenn SF die
ESC-Seite drei-/vier-sprachig erstellen würde, damit sich die Romands und Ticinesi sowie die Englisch Sprechenden nicht ausgegrenzt fühlen. Es würden bestimmt einige mehr abstimmen, wäre die entspr. Seite auf französisch, englisch und italienisch vorhanden!
Ebenfalls sehr
positiv war, dass
auf dem Video-Portal keine Kommentare abgegeben werden konnten. Die Spam-Flut einiger Artisten und Fanatiker wäre grenzenlos gewesen! Wozu dies führen kann, erfuhr SF auf seiner Facebook-Seite, auf der die User von SF schon mal ermahnt werden mussten, Stil und Haltung zu bewahren!
Ein Problem zeigte sich, als plötzlich einige Beiträge sowohl auf SF wie auch auf DRS3 erschienen. Ein heilloses Durcheinander. Im neuen Reglement wurden diese Konflikte nun zwar gelöst, aber für ein anderes Mal muss das auf eine andere Art geregelt werden. Eine Lösung (mit derselben Konstellation SF/DRS3) kann sein, dass ein Beitrag entweder NUR auf SF oder NUR auf DRS3 an den Start gehen darf.
Es bleibt sowieso die Frage, ob es gut war resp. viel brachte, DRS3 ins ESC-Boot zu holen. Wenn man sieht, wer es ins 10er-Finale geschafft hat, sieht und hört man leider auch, wie bodenlos schlecht das DRS3-Angebot war. Da vermögen auch die zwei Ausnahmen (Dorian Gray und The Colors and Ilira) nicht darüber hinweg täuschen!
Fazit SF: die konsequente Haltung der SF-Redaktoren war vorbildlich und hilfreich. Die Aufbereitung der Videos übersichtlich - mit einer erweiterten Sortier-Funktion wäre sie sogar perfekt gewesen. Der gewählte Termin genial!
Sollte sich SF dazu entscheiden, nächstes Jahr erneut mit einer offenen Bewerbung anzutreten, würde dies wohl auch ein bisschen früher kommuniziert. Somit hätten die Artisten die Möglichkeit, sich noch besser vorzubereiten und vielleicht auch das eine oder andere Video besser zu produzieren, als dies teilweise der Fall war!
Alles in allem: viel besser als erhofft!
DRS3
Generell bleibt bei mir eine
grosse Frage übrig?
Wieso bemüht sich DRS3 um den ESC? War das ein freiwilliger Schritt oder wurde DRS3 dazu verdammt?
Die einzige Übersicht, die ich hatte, war wenigstens in der Song-Übersicht. Diese wurden schön chronologisch dargestellt. Man wusste immer, wo man weiterfahren muss, machte man sich wie Windmaschinchen die Mühe, ALLE Songs durchzuackern! Das war dann schon alles, was von der positiven Front erwähnt werden kann!
DRS3 hat sich konsequent daran gehalten, alle Beiträge zu veröffentlichen, auch wenn diese in schlimmster Manier nicht dem Reglement entsprachen (ich wiederhole: Zeit-Limit, Veröffentlichungs-Datum). Gerne wüsste ich, was DRS3 dazu bewogen hat. Werbung für das mx3 Projekt, Werbung für den Artisten, verstösst er noch so gegen das Reglement?
Hier zeigt sich erneut, wie verpönt der ESC auf DRS3 ist. Eine "who cares"-Attitüde machte sich auf der ganzen Seite breit. Da halfen auch die mehreren Sondersendungen am Dienstag nicht weiter.
Was die 10
Finalisten der DRS3-Auswahl betrifft, habe ich leider nicht mitgekriegt, wieso die DRS3-Redaktion gerade diese Titel auserkoren hat. Für Dorian Gray und Ilira bin ich natürlich glücklich, aber der Rest ist
peinliches Schweigen. Ich komm nicht um den Gedanken herum, dass
geo-politische Beweggründe (etwas für die Romandie, etwas für den Ticino, etwas für die Deutschschweiz) eine grössere Rolle spielten, als irgendwelche musikalische Ansprüche. Und wenn schon
kalkulatorisches ESC-Denken im Entscheidungsprozess mitspielt (z. B. I will stand von Simongad sowie Anetta Morozova), dann wählt doch wenigstens Six Cells, deren Lied wirklich Spass und Freude verbreitet!
Was mir am meisten Leid tut, ist die Tatsache, dass auf der SF-Auswahl, wo es bedeutend bessere Beiträge gibt, einige über die Klingen springen müssen, die um einiges besser und vor allem moderner sind, als die drei DRS3-Finalisten, die es schaffen werden (The colors with Ilira mal ausgenommen, sollten sie es schaffen)
!
Wie eingangs schon erwähnt, war die Kommunikation, wie das Ganze ablaufen wird, auf DRS3 unübersichtlich und kaum auffindbar. Da gäbe es für ein andermal einiges nachzuholen.
Fazit DRS3: das war ein Schuss ins eigene Knie, so hart dies auch tönen mag. Bestünde echtes und wirkliches Interesse, den ESC in der Schweiz wieder ein bisschen salonfähig zu machen, war der von DRS3 gewählte Weg der falsche!
Wenn ein Musik-Kanal wie DRS3 in den Entscheidungsprozess des ESC eingebunden wird, dieser aber das ganze Jahr über kaum einmal einen ESC-Song spielt, dann hat dieser Kanal schon von Beginn weg ein ganz grosses Problem: jenes der
Glaubwürdigkeit!
Alles in allem: noch schlechter als erwartet!
Schlussfolgerung:
SF = 12 points
DRS3 = 0 points