Donnerstag, 8. April 2010

Final oder Jammertal?

Final oder Jammertal?

Das ist die Frage, die wir Schweizer uns schon fast rituell stellen werden.
Viele Mitbürgerinnen und Mitbürger möchten sich diese Frage natürlich mit "Jammertal" beantworten. Nicht dass ihnen der diesjährige Beitrag missfällt, denn gehört hat man ihn in diesem Lande erst sehr selten, aber man liebt es ja geradezu in diesen engen Grenzen, wenn man sich für einmal wieder im Selbstmitleid suhlen darf.

Was mussten wir Schweizer im vergangenen Jahr nicht alles über uns ergehen lassen:
  • das Bankgeheimnis wurde entlüftet (obwohl dies wenigstens zur Folge hatte, dass der CD-Handel mit Deutschland für einen kleinen Aufschwung sorgte),
  • Libyen möchte die Schweiz am liebsten von der Landkarte wegpusten,
  • das Türmchen-Bau-Verbot sorgt für internationales Entsetzen
  • und eine Segelnation sind wir unterdessen auch nicht mehr.
Und jetzt droht uns erneut ein Steckenbleiben im Halbfinale zu Oslo.

Bleibt die Schweiz also weiterhin ein Halbfinalisten-Land am ESC? Die Zeichen stehen nicht nur auf schlecht, nein, sie stehen auf Sturm und zwar vor allem deshalb, weil sich Frankreich letzte Woche vom zweiten in den ersten Halbfinal verabschiedet hat. Damit fehlt uns der vermeintliche Hauptpunktelieferant! Aus Frittannien (Belgien), dem andern frankophonen Land, kanns gar keine Punkte geben, denn dieses quält sich selber ja im ersten Semi ab.

Traditionell macht die Schweiz keine Promo-Schleim-Tour durch Europa; es sei denn, der Vertreter berappt es aus seiner eigenen Tasche. Und da MvdH finanziell wohl nicht gerade auf Rosen gebettet ist, reicht das wenige Geld wohl nur gerade bis nach Kreuzlingen - und auch nur mit dem Halbtax. Vielleicht müsste er sich nach einem Sponsor umsehen! Da kämen wohl auch nur zwei Firmen in Frage: die Schweizerische Nationalbank oder Q-Tips.

Am 24. April ist MvdH wenigstens am Eurovision in Concert in Amsterdam vorgesehen. Es bleibt dann zu hoffen, dass er seinen Beitrag endlich auch mal live vortragen wird, damit Windmaschinchen für einmal etwas beruhigt an den ESC reisen darf.
Die Tatsache, dass MvdH "Il pleut de l'or" noch nie LIVE gesungen hat (sprich: kein Youtube-Video vorhanden) kostete ihm nicht nur den Windmachine-Award für den besten Key-Change, nein, dies sorgt auch in der Szene allgemein für eine tendenziell negative Haltung dem Schweizer Beitrag gegenüber.

Zurück zu unseren Chancen. Ob objektiv oder subjektiv: es ist unbestritten, dass der 2. Halbfinal um einiges besser ist als der erste! Armenien, Israel, Dänemark, Schweden, Aserbaidschan, Rumänien, Irland, Bulgarien, Kroatien, Georgien und die Türkei werden allgemein als "sichere" Finalisten gehandelt und das ist schon einer zu viel. Und wenn man bedenkt, dass Quality-Songs, die mit einem literaturnobelpreiswürdigen Text à la "Sha-la-li" unterzeugen, immer für eine Überraschung gut sein können, dann sieht die Lage in der Tat wenig erbaulich aus.

Da können wir nur hoffen, dass sich Israel (Thema "Türmchen-Bau-Verbot") und Zypern (mit ihnen teilen wir uns das Inseldasein) unserer erbarmen und uns mit ein paar Pünktchen eindecken! Punkte aus Irland wären eine Überraschung, solche aus Dänemark und Schweden möglich, aber alles andere als sicher. Aus Holland gibts garantiert keine Punkte, den kein halbwegs zivilisierter Holländer schaut sich diese Veranstaltung noch an, womit die Punkteverteilung unter den Immigranten mit holländischen Handys ausgemacht wird. Und bekanntlich leben zu wenige Schweizer in Holland, um diesen die Stange halten zu können. Und der Osten Europas wird sich wohl kaum erwärmen ob unserem Wasser-Spiel für Warmduscher. Punkte aus dem Osten für Schwulen-Pop? Wohl kaum! Weiss übrigens jemand, ob Deen noch lebt?

Einzig wirklich Positives: Im Gegensatz zu anderen Jahren gehört die Schweiz dieses Jahr nicht zu den Favoriten.

Wir erinnern uns:
  • DJBobo 2007: Favorit - Resultat: vampirischer Tod im Halbfinale!
  • Paolo Meneguzzi 2008: bei den Favoriten - Resultat: stupend gefallen im Halbfinale!
  • Lovebugs 2009: sicherer Finalist - Resultat: tiefst gefallen im Halbfinale!
2010 sieht die Sache ganz anders aus: Weder hier noch hier (oben auf der Site auf "Pre-chart'10" klicken und dann nach unten scrollen) liegt die Schweiz irgendwo in der Nähe einer Finalqualifikation!
Und bei den Wettbüros siehts nicht viel besser aus: siehe hier und hier .
Es sieht also zappenduster aus für die Schweiz und das ist unsere Chance: wir habe keine - nutzen wir sie also! Denn wir erinnern uns: (fast) nie in der Vergangenheit gelang es dem Favoriten die Chose nach Hause zu fahren. Löbliche Ausnahme: Norwegen 2009.

Deshalb liest sich dann vielleicht am späten Abend des 27. Mai in den Schweizer Medien die folgende Schlagzeile: "Il pleut des points" - "Es regnet Punkte"!

Und so eine Schlagzeile würde nun wirklich nicht wenige Schweizer als negativ einstufen, denn viele geben immer noch einen Darm-Auswurf auf den ESC.

Träumen darf man ja!