
Es war der
ESC für die Rekordbücher! Nicht nur der Sieg Norwegens viel epochal aus! Der ESC 2009 nahm schon fast olympische Dimensionen an: mit geschätzten Kosten von 30 Mio. Euros setzte Russland neue Massstäbe! Die Halle, die Bühne, aber auch die Militär- und Polizei-Präsenz erreichten nie zuvor gesehene Dimensionen. Ein Anlass der Superlative! Diese Eindrücke stehen sicher im Vordergrund beim Betrachten des Jahrgangs 2009!Es gibt aber auch dieses "Ja, aber...!" Gefühl in Windmaschinchens Gefühlswelt - nicht unähnlich Olympia 2008 in Peking! Mit pompösem Spektakel wollte man sich die Zuneigung und die Herzen der Zuschauer und Teilnehmenden "erkaufen"! Dies ist misslungen!Wenn OMOHs Homos jagen!
Zu stark bleiben solche Bilder der
Verhaftungen bei der geplanten
Schwulen-Demo im Kopf haften, zu stark wirkte die Militär- und Polizeipräsenz in den Augen der Zuschauer! Der aus unserer Sicht ständig mürrische Blick der Russen half auch nicht gerade dazu bei, das "Drumherum" sympathischer zu finden...! Zum "Land des Lächelns" dauerts wohl noch ein paar Jährchen...! Dass kaum jemand englisch spricht, war ebenfalls nicht gerade hilfreich! Letzteres wird sich aber wohl in den nächsten Jahren etwas ändern.
Betreffend der Schwulen-Demo muss gesagt sein, dass
Malena Ernman, die schwedische Teilnehmerin, sich als mir einzig bekannte Finalteilnehmerin gegen den Polizeieinsatz öffentlich gemeldet hat und Stellung
FÜR die russische Schwulenbewegung nahm! Ein dickes Kompliment an sie!
Der Final:
Die
Bühne war, wie oben schon geschrieben, gigantisch und mit Sicherheit
das Beste, was
je geboten wurde. In jeder Beziehung! Jeder Song wurde mit den zur Verfügung stehenden technischen Mitteln individuell gestaltet! Absolut grandios! Unvergesslich bleibt mir dabei der optische Auftritt der Schweiz, der beste aller Länder! Dass es trotzdem nicht fürs Finale reichte, zeigt wenigsten, dass ein tolles Bühnenbild noch lange nicht reicht, um weiter zu kommen! Und das ist auch gut so!
Die Heerscharen (!!!), welche jeweils nach Beendigung eines Songs auf die Bühne sprinteten, um die Requisiten von der Bühne resp. auf die Bühne schleppen mussten, zeigt ein ganz grosses Problem, welches die EBU unbedingt aufgreifen muss: es geht nicht an, dass Verzögerungen auftreten, weil man innert
30 Sekunden sattelschleppergrosse Kulissen à la Ukraine auf die Bühne hieven muss! Solche Extravaganzen gehören in Zukunft verboten!
Das (neue)
Moderatoren-Paar machte seine Arbeit sehr gut. Sie waren der englischen Sprache mächtig und hielten sich diskret und wohltuend im Hintergrund! Dafür alleine ein Dankeschön!
Nach Betrachtung des Intros fragte ich mich zum fünfhundertachtunddreissigtausendsten Mal, wieso Dima Bilan letztes Jahr gewonnen hat. Eine plausible Antwort habe ich immer noch nicht gefunden!
Der
Intervall-Act war zwar
spektakulär,
berührte mich
aber nicht wirklich. Geschmacksache!
Gedanken zum Ergebnis:
Zum Sieg gibt's nicht weiteres zu hinzuzufügen als ein dickes grosses "Bravo!". Unbestritten in jeder Beziehung. Selten zuvor hat sich ein so hoch gehandelter Favorit schlussendlich auch so unbestritten durchgesetzt! Einfach wunderbar!
Bei Island verspürte man schon in den Proben, dass sie "einen Lauf" hatten. Vom grossen Aussenseiter entwickelte sich Island zum Favoriten auf den ....
2. Platz! Grossartige Interpretation dieses Schmachtfetzen. Selten zuvor war wohl ein Land über den "Nicht-Sieg" so glücklich wie Island. Eine Durchführung des ESC wäre in diesem wirtschaftlich arg gebeutelten Land wohl nicht in Frage gekommen!
Aserbaidschans
3. Platz war abzusehen. Ein optimales Ergebnis für diesen mittelmässigen Beitrag. Sehr gutes Bühnenbild.
Die Türkei landete auf Platz
4 - aus ihrer Sicht ein schlechtes Ergebnis! Von solchem "Luxus" kann die Schweiz nur träumen. Andererseits kommt für die türkischen Fans eh nur Platz eins in Frage, ungeachtet der Qualität. Hadises Gesang war nicht über alle Zweifel erhaben, und die Bühnen-Show banal und unbedeutend. Komplett überbewertet, und nur Dank "Diaspora" so weit vorne!
Grossbritannien hingegen holte das Optimum heraus und ist - nach Norwegen - ein weiterer Gewinner! Was Jade aus diesem simplen Song herausholte, war grosse Klasse. Die fantastische Platzierung ist ihr alleine zu verdanken! Immerhin ist GB damit wieder im Gespräch und somit wohl auch nächstes Jahr wieder dabei! Dass Jade bei ihrer Präsentation regelrecht in den Geigenstock eines Musikers "lief", sei hier nur am Rande vermerkt und hatte wohl keine negativen (Punkte-)Auswirkungen zur Folge....!
Estland erkämpfte sich mit dem verdienten
6. Platz ein Traumergebnis. Klasse setzt sich halt doch immer mal wieder durch. Wunderbare Präsentation, grossartige Stimme und eines der besten Bühnenbilder! Toll gemacht!
Griechenland zeigte sich natürlich extrem enttäuscht über den
7. Platz ihres Adonis Sakis Rouvas! Ich meine: immer noch ein zu gutes Resultat, denn Sakis Stimme war ebenso dünn zu hören wie jene von Lovebugs' Adrian Sieber und wohl auch aus demselben Grund: sie überzeugt nicht und musste daher dem Spektakel, welches wirklich toll war, Platz machen!
Patricia Kaas' Auftritt für Frankreich war schlicht und ergreifend eine Klasse für sich. Niemand konnte ihr das Wasser reichen! Dass es dann lediglich zum
8. Platz reichte, muss auf das Lied zurückgeführt werden. Obwohl grandios, überzeugt es nicht beim ersten Hinhören. Das war das grösste Handicap dieses Traumsongs! Dass Frankreich trotzdem hinter der Türkei, Griechenland und Aserbaidschan landete, zeigt deutlich, dass auch eine Jury ihre "Fehler" hat!
Grosse Enttäuschung bei Bosnien & Herzegowina! Das Lied ist und bleibt grossartig! Einzig die hölzerne und extrem statische Darbietung hat dem Song den Todesstoss gegeben! Dadurch haben sie ein paar Plätze verschenkt! Schade, sehr schade!
Russlands Auftritt war in etwa ebenso schlimm wie das Lied selber! Die Idee mit den alternden Gesichtern war wohl genial, aber die Interpretation dazu war erbärmlich. Selbst nach mehrmaligem Durchlesens des Textes, ist mir bis heute schleierhaft, worüber der Song wirklich handelt! Genauso war ihr Auftritt - undurchsichtig und wirr!
Wer immer noch meint, dass ein an Grössenwahn leidendes Bühnenbild zum Erfolg führt, soll sich ruhig noch einmal den ukrainischen Beitrag anschauen! ESC-Himmel sei Dank, dass dieser ökobelastende Beitrag nicht weiter vorne landete.
Erstaunlich weit vorne findet man Dänemark! Mit der dünnsten Stimme des Abend landeten die Dänen schlussendlich auf Platz 13!Portugal erreichte Platz
15 und dürfte damit wohl zufrieden sein. Was man dem portugiesischen Vortrag zugute halten muss (denn gefallen tut er mir immer noch nicht), ist ihre Natürlichkeit und (um das Wort wieder einmal zu strapazieren) ihre Authentizität. Abgesehen von Alexander Rybak kam die portugiesische Gruppe am natürlichsten und sympathischsten rüber von allen. Daher wäre selbst eine bessere Platzierung verdient gewesen! Das Resultat (und die vielen gewonnen Sympathien) dürfte für Portugal ein Ansporn für weiter gute Taten sein!
Mir persönlich fallen immer wieder die portugiesischen Fans sehr positiv auf. Sie verbreiten immer wieder eine wunderbare Stimmung am ESC. Das Positivste daran ist aber die Tatsache, dass sie nie dermassen nationalistisch auftreten, wie dies ein paar andere Fan-Gruppen leider immer wieder tun! Die portugiesischen Fans beklatschen und akzeptieren auch andere Auftritte und nicht ausschliesslich ihren eigenen!
12 Punkte für Portugals Fair-Play!
Kejsi Tola aus Albanien hat sich auch am ESC kaum vom Fleck bewegt. Singen kann sie ja, aber beim Tanzen hapert es noch gewaltig!
Ähnliches lässt sich von Deutschland sagen! Da haben sie einen relativ swingigen Song, und der gute Oscar bewegt sich im Walzer-Schritt über die Bühne! Ich möchte ja wirklich nicht wissen, wie viel Deutschland (oder wer auch immer) für die Stripperin bezahlt hat, aber sie war den Preis mit Sicherheit nicht wert. Der
20. Platz ist immer noch zu gut!
In der Probe sei Dita Von Teese noch der Busen aus dem Kostüm gefallen. Ich meine, wie kann so etwas Kleines aus überhaupt etwas hinaus fallen? Im Finale schaffte die Gute dann diese Akrobatik nicht zu wiederholen! Heilige-Lys-Assia sei Dank!
Schweden kriegte auch dieses Jahr wieder sein Fett ab! So sehr ich Schweden liebe, aber dieses Resultat habt ihr wirklich verdient! Geht über die Bücher, liebe Freunde, denn ihr habt es nötig. Und nächstes Jahr tritt ihr bei eurem "Erzfeind" Norwegen auf. Dies sollte also Herausforderung genug sein!
Dass auch Malta sein Fett abgekriegt hat, grenzt schon fast an "political incorrectness"! Aber es ist so: das europäische Publikum liess sich nicht für blöd verkaufen, und strafte Chiaras "Selbstbeweihräucherung" brutal ab! Dieses Resultat hat nichts mit Diaspora, Ost-Mafia, Block-Voting usw., usw. zu tun, sondern einfach mit dem schlechten Song!
Knapp an der "Todesstrafe" (sprich: letzter Platz) ist Spanien vorbeigeschrammt! Der Song (Marke "Anbiederung") hat meine düstersten Prognosen bewahrheiten lassen! Und dies verdient! Die Vorstellung kam gezwungen rüber, der Gesang schwach. Der "Juchzer" am Schluss liess die Zuschauer dann endgültig davon absehen, für Spanien zu voten!
Eine vage Vorahnung auf das traumatische Ergebnis kam bereits am Ende von Sorayas Auftritt auf, als abgesehen von der gigantischen spanischen Fangemeinde kaum jemand zum Jubeln zu bewegen war!
Ich hoffe nur, dass sich Spanien nächstes Jahr nicht davon abhalten lassen wird, eine wiederum grandiose Vorentscheidung zu organisieren!
Die zwei Jury-Picks waren übrigens - entgegen meiner Voraussage - Kroatien und Finnland!
Die
Schweiz hatte keine, aber auch wirklich keine
Chance auf eine Final-Qualifikation: sie landete in ihrem Halbfinale auf dem miserablen
14. Platz mit gerade mal
15 Punkten (erhalten von: Finnland/
5, Schweden, Portugal, Bosnien&Herzegowina, Moldawien und Weissrussland/je
2).
Zur sicheren Qualifikation fehlten sagenhafte 52 Punkte....! Wie weiter, Helvetien?
Statistische Notiz am Rande: Piero Esteriores Nullnummer hat Gesellschaft erhalten! Tschechien wurde ebenfalls mit null Punkten aus dem
1. Halbfinal nachhause geschickt! Wahrlich kein Grund zu Schweizer Euphorie!
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Finalisten ihr Weiterkommen irgendwie, mehr oder weniger verdient hatten. Dasselbe lässt sich auch von den Nicht-Qualifizierten sagen!
Hier noch ein paar Bemerkungen an jene, die immer wieder mit denselben Vorwürfen gegenüber dem ESC kommen:
- Show alleine genügt nicht (s. Griechenland)
- Stimme allein genügt ebenfalls nicht (s. Weissrussland)
- Guter Song genügt ebenfalls nicht (s. Schweiz)
- Diaspora-Stimmen genügen ebenfalls nicht (nur 2 ex-Jugoslawien-Staaten erreichten das Finale). Diaspora-Stimmen mögen einen Einfluss auf eine bessere Endplatzierung haben, aber für den Sieg aber genügen diese nie und nimmer!
- Block-Voting genügt auch nicht, sonst hätte z.B. Russland viel besser abgeschnitten. Dito Schweden, dito Bosnien & Herzegowina
- Spektakel alleine genügt auch nicht (s. Ukraine)
- "Sex sells" nicht immer (s. Deutschland und teilweise Rumänien)
- In Anbetracht des Einheitsbreis der meisten Schweizer Radiostationen ist der ESC eine willkommene und äusserst abwechslungsreiche und wohltuende Erscheinung! Moderne Musik zu machen, heisst noch lange nicht, dass sie gut ist!
Dabei wäre es so einfach, am ESC Erfolg zu haben:
- Der Song muss sehr gut sein!
- Die Stimme muss sehr gut sein!
- Beides zusammen muss authentisch und glaubwürdig rüberkommen! Stichwort "Personality"
Danke Moskau für einen grandiosen ESC 2009. Vielleicht der beste ESC je!? Es war ein ESC der Superlative, nicht aber ein ESC der Herzen.Mit Oslo 2010 erwartet uns ein charmanter, zurückhaltender und toleranter Gastgeber! Das alleine rechtfertigt schon den norwegischen Sieg!Oslo, here we come! Und Windmaschinchen schaut sich schon mal für eine Unterkunft um! Nach Moskau, der
teuersten Stadt der Welt, zieht der ESC-Tross jetzt weiter in die "lediglich" viertteuersten Stadt der Welt: auf nach Oslo!